Dunkle Nacht umgibt uns als wir den gastlichen Grenzübergang und den Special Agent hinter uns lassen. 250 Kilometer, gemessen an russischen Entfernungen ein Klacks. Bald sollen wir wieder die goldenen Kuppeln von Kiew sehen, die Stadt in der wir zwei Jahre gelebt haben und an die wir sehr gute Erinnerungen haben. Freunde haben wir seinerzeit zurück gelassen. Aber erst einmal gilt es wieder die zu verscheuchen, die unser Auto hinter dem Grenzübergang noch einmal stoppen wollen. Die bewährten Mittel dazu : Fernlicht und Hupe. Einige Gestalten springen durch die Scheinwerferkegel und tauchen im Dunkeln unter. Innerlich danke ich meinem FORD Explorer Forum. Gemeinsam haben wir seinerzeit Xenon Scheinwerfer bestellt und in Karelien sind sie endlich montiert worden und seit dem habe ich Licht, nichts als Licht. Aber einige Lichter auf dem Dach wären nicht schlecht, ok, vor der nächsten Fahrt in die Ukraine kommt Zusatzlicht ans Auto.
 
    Zurück zu den Gedanken an Kiew, im O‘Briens Club, nicht weit von unserer Wohnung haben wir so manchen Freitagabend beim Schwofen verbracht. Bei „Erich“ haben wir uns mit unseren deutschen Freunden getroffen, im „Golden Gate“ wieder Treffen mit unseren ukrainischen Freunden und Schwof. Einer unserer besten Freunde, Sasha von der City-band in der er die Leadgitarre gespielt hat, werden wir nicht mehr treffen können. Sasha hat uns im vergangenen Jahr im Alter von 45 Jahren für immer verlassen. 45 - kein Alter zum Sterben, aber Sasha hat das wohl anders gesehen und seine Frau Lilia zurück gelassen.
   Kilometer um Kilometer kämpfen wir uns vorwärts Richtung Kiew. An einem Halt wo wir uns sonst immer mit Schaschlik gestärkt haben, winkt der Besitzer müde ab. Heute kein Business mehr, die Schänke ist geschlossen. Weiter geht es durch die Nacht. Und dann das Schild „Umleitung“. Wir werden durch unzählige Dörfer gescheucht deren Häuser weiß im Licht unserer Fernscheinwerfer auftauchen.  Die Straßen auf denen wir uns bewegen sind eine einzige Schlaglochansammlung und verlangen vollständige Konzentration. Drei Stunden später, die Sonne beginnt sich an den Horizont vorzukämpfen. Ich kann einfach nicht mehr. Mittlerweile haben wir die Hauptstraße wieder unter unseren Reifen. Aber an Fahren kein Gedanke mehr. Ich muß ein wenig ausruhen, 15 Stunden am Steuer fordern ihren Tribut. Wir klappen die Sitze nach hinten und legen eine Pause von fast zwei Stunden ein. Dann geht es auf zum Endspurt.
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Pause ...