Dieses Jahr hat der Pontonier-Sportverein Zürich zum ersten Mal beim Zürcher Ferienpass einen Kurs angeboten. Der Ferienpass ist ein Ausweis, mit dem Kinder und Jugendliche während der Sommerferien gratis verschiedene Freizeitangebote und den Zürcher Verkehrsverbund nutzen können. Dazu gibt es aber auch Veranstaltungen, für die sich die Kinder anmelden müssen. Das attraktive, vielfältige Angebot wird von zahlreichen Firmen und Vereinen getragen. Unser Angebot entsprach offenbar einem Bedürfnis bei vielen Kindern, denn von Frau Bischofberger vom Ferienpassbüro wissen wir, dass die drei zweitägigen Kurse des Pontonier-Sportvereins rasch ausgebucht waren.
Also warteten wir am ersten Tag auf dem Bürkliplatz auf die Kinder. Die meisten waren bereits vorzeitig dort, und wir konnten pünktlich um 10 Uhr beginnen. Nachdem die Schwimmwesten verteilt waren, fuhren die 19 Kinder mit uns in zwei Übersetzbooten auf den Zürichsee. Sie durften versuchen, mit den für Kinder etwas grossen, auf den ersten Blick unhandlich aussehenden Rudern das Boot vorwärts zu bringen. In sicherer Distanz von den Kursschiffen wurde dann bereits das erste Mal gebadet --- die ganzen sechs Tage herrschte hochsommerliches Wetter. Doch wir hatten nicht lange Zeit, schliesslich wollten wir noch vor dem Mittagessen durch die Stadt bis nach Höngg hinunterfahren.
Die erste Etappe führte --- immer noch im Übersetzboot --- durch die Altstadt. Vor allem die niedrigen Brücken waren beeindruckend. Unter anderem fuhren wir direkt unter dem Ferienpassbüro hindurch, das sich in einem Container auf der Gemüsebrücke befand. Ob man denn auch unter dem Rathaus durchfahren könnte, wurde gefragt. Eigentlich schon, wenn man keine Angst vor grossen Spinnen hat, doch diesen Sommer geht das nicht, da dieser Weg direkt in die Baustelle am Limmatquai mündet. Weiter unten fuhren wir am Hauptbahnhof und am Landesmuseum vorbei. Die Strömung ist dort zwar langsam, doch vor uns lag eine Baustelle mitten im Fluss, mit einer Schwimmplattform zum Rammen von Pfeilern in den Flussgrund. Ob wir diese wohl gefahrlos passieren konnten? Die ersten beiden Male gab es kein Problem, doch mit dem Kurs 47c am Freitag war es etwas schwieriger: Man wollte uns zuerst links vorbeirudern lassen, aber das wäre wegen des Wehrs, über das der Fluss nur wenige Meter nach der Baustelle etwa zehn Meter in die Tiefe stürzt, zu gefährlich gewesen. Nach einer kurzen Schilderung des Problems bediente dann ein Arbeiter die Seilwinde der Rammbühne, die uns den Weg versperrt hatte, und wir konnten durch eine Lücke von eineinhalb Bootsbreiten die Baustelle rechtsufrig passieren. Doch auch weiter unten war Vorsicht geboten. Wir fuhren nämlich mitten durch die schöne Badi "Oberer Letten". Bei dem grandiosen Wetter hatte es natürlich viele Schwimmende im Fluss, denen wir ausweichen mussten. Doch wir hatten es nicht eilig und fuhren schön langsam an ihnen vorbei.
Kurz vor dem EWZ-Kraftwerk stiegen wir aus. "Hätte man das Kraftwerk mit den Übersetzbooten auch überwinden können?" fragten uns die Kinder, und wir zeigten ihnen die Kahnrampe mit den Schienen und der Seilwinde, die genau für diesen Zweck gebaut wurde. Wir gingen aber zu Fuss hinunter bis zur Wipkingerwiese. Die Schlauchboote, mit denen wir die zweite Streckenhälfte zurücklegen sollten, waren bereits dort, aber noch nicht aufgepumpt. Die beiden Gruppen gaben sich alle Mühe, ihr Schlauchboot möglichst schnell aufzupumpen, aber es konnte nur eine Gruppe den Pumpwettkampf gewinnen. Danach wurden die beiden Schlauchboote eingewassert und ab ging es über ein paar kleinere Stromschnellen weiter flussabwärts, vorbei an markanten Gebäuden wie dem neu erstellten Limmat West, dem Hardturm und den Bernoulli-Häusern. Kaum hatte das zweite Schlauchboot das erste eingeholt, gab es natürlich eine riesige Wasserschlacht. Immerhin hatten nach ein paar Pirouetten die Kinder das Paddeln so gut im Griff, dass die beiden Boote im bereits wieder langsamer fliessenden Fluss frontal aufeinander zu gesteuert werden konnten. Wir fuhren unter dem Hardeggsteg durch, wo der Pontonier-Sportverein ab nächster Saison trainieren will, immer weiter auf das Höngger Wehr zu. Kurz vor dem Wehr mussten natürlich alle, die inzwischen längst aus dem Boot in die Limmat gesprungen waren, wieder in die Schlauchboote steigen. Wir fuhren zur Kahnrampe am linken Ufer und schleiften die Schlauchboote von Hand zum Unterwasser. Es waren jetzt noch ein paar hundert Meter in der Restwassermenge (20 m^3 pro Sekunde, wie wir später noch hören sollten) zurückzulegen, und endlich waren wir am Ziel, dem "Siegenthaler Strand" (früher einmal Siegenthaler Hafen, doch das Hochwasser vom letzten Sommer hat daraus einen Strand gemacht). Sofort liessen wir den Gasgrill laufen; es war bereits 13.30 Uhr, also höchste Zeit für das Mittagessen, und die Kinder legten ihre kunstvoll eingeschnittenen Würste auf den Rost.
Viele hatten immer noch nicht genug vom Baden. Kein Problem, sie konnten die ganze Mittagspause im Wasser verbringen, vorausgesetzt, dass sie eine Schwimmweste trugen, denn wir Pontoniere sind keine ausgebildeten Fluss-Bademeister. Ausserdem macht das Baden auch mit der Schwimmweste Spass. Den Nachmittag liessen wir ausklingen mit ein paar verschiedenen Aktivitäten, je nach Lust und Laune der Kinder: Rudern und Stacheln mit dem Weidling, Kennenlernen der wichtigsten Knoten, Spanntauwerfen und --- für die Unermüdlichen --- weiterhin Baden. Doch schon bald war es Zeit, die Sachen zu packen, zur Tramstation Tüffenwies zu gehen und sich müde und zufrieden fürs erste zu verabschieden.