Ferienpass 2006, Kurs Nr. 47
 
 
Pontonier-Sportverein Zürich
Dieses Jahr hat der Pontonier-Sportverein Zürich zum ersten Mal beim Zürcher Ferienpass einen Kurs angeboten. Der Ferienpass ist ein Ausweis, mit dem Kinder und Jugendliche während der Sommerferien gratis verschiedene Freizeitangebote und den Zürcher Verkehrsverbund nutzen können. Dazu gibt es aber auch Veranstaltungen, für die sich die Kinder anmelden müssen. Das attraktive, vielfältige Angebot wird von zahlreichen Firmen und Vereinen getragen. Unser Angebot entsprach offenbar einem Bedürfnis bei vielen Kindern, denn von Frau Bischofberger vom Ferienpassbüro wissen wir, dass die drei zweitägigen Kurse des Pontonier-Sportvereins rasch ausgebucht waren.
 
Also warteten wir am ersten Tag auf dem Bürkliplatz auf die Kinder. Die meisten waren bereits vorzeitig dort, und wir konnten pünktlich um 10 Uhr beginnen. Nachdem die Schwimmwesten verteilt waren, fuhren die 19 Kinder mit uns in zwei Übersetzbooten auf den Zürichsee. Sie durften versuchen, mit den für Kinder etwas grossen, auf den ersten Blick unhandlich aussehenden Rudern das Boot vorwärts zu bringen. In sicherer Distanz von den Kursschiffen wurde dann bereits das erste Mal gebadet --- die ganzen sechs Tage herrschte hochsommerliches Wetter. Doch wir hatten nicht lange Zeit, schliesslich wollten wir noch vor dem Mittagessen durch die Stadt bis nach Höngg hinunterfahren.
 
Die erste Etappe führte --- immer noch im Übersetzboot --- durch die Altstadt. Vor allem die niedrigen Brücken waren beeindruckend. Unter anderem fuhren wir direkt unter dem Ferienpassbüro hindurch, das sich in einem Container auf der Gemüsebrücke befand. Ob man denn auch unter dem Rathaus durchfahren könnte, wurde gefragt. Eigentlich schon, wenn man keine Angst vor grossen Spinnen hat, doch diesen Sommer geht das nicht, da dieser Weg direkt in die Baustelle am Limmatquai mündet. Weiter unten fuhren wir am Hauptbahnhof und am Landesmuseum vorbei. Die Strömung ist dort zwar langsam, doch vor uns lag eine Baustelle mitten im Fluss, mit einer Schwimmplattform zum Rammen von Pfeilern in den Flussgrund. Ob wir diese wohl gefahrlos passieren konnten? Die ersten beiden Male gab es kein Problem, doch mit dem Kurs 47c am Freitag war es etwas schwieriger: Man wollte uns zuerst links vorbeirudern lassen, aber das wäre wegen des Wehrs, über das der Fluss nur wenige Meter nach der Baustelle etwa zehn Meter in die Tiefe stürzt, zu gefährlich gewesen. Nach einer kurzen Schilderung des Problems bediente dann ein Arbeiter die Seilwinde der Rammbühne, die uns den Weg versperrt hatte, und wir konnten durch eine Lücke von eineinhalb Bootsbreiten die Baustelle rechtsufrig passieren. Doch auch weiter unten war Vorsicht geboten. Wir fuhren nämlich mitten durch die schöne Badi "Oberer Letten". Bei dem grandiosen Wetter hatte es natürlich viele Schwimmende im Fluss, denen wir ausweichen mussten. Doch wir hatten es nicht eilig und fuhren schön langsam an ihnen vorbei.
 
Kurz vor dem EWZ-Kraftwerk stiegen wir aus. "Hätte man das Kraftwerk mit den Übersetzbooten auch überwinden können?" fragten uns die Kinder, und wir zeigten ihnen die Kahnrampe mit den Schienen und der Seilwinde, die genau für diesen Zweck gebaut wurde. Wir gingen aber zu Fuss hinunter bis zur Wipkingerwiese. Die Schlauchboote, mit denen wir die zweite Streckenhälfte zurücklegen sollten, waren bereits dort, aber noch nicht aufgepumpt. Die beiden Gruppen gaben sich alle Mühe, ihr Schlauchboot möglichst schnell aufzupumpen, aber es konnte nur eine Gruppe den Pumpwettkampf gewinnen. Danach wurden die beiden Schlauchboote eingewassert und ab ging es über ein paar kleinere Stromschnellen weiter flussabwärts, vorbei an markanten Gebäuden wie dem neu erstellten Limmat West, dem Hardturm und den Bernoulli-Häusern. Kaum hatte das zweite Schlauchboot das erste eingeholt, gab es natürlich eine riesige Wasserschlacht. Immerhin hatten nach ein paar Pirouetten die Kinder das Paddeln so gut im Griff, dass die beiden Boote im bereits wieder langsamer fliessenden Fluss frontal aufeinander zu gesteuert werden konnten. Wir fuhren unter dem Hardeggsteg durch, wo der Pontonier-Sportverein ab nächster Saison trainieren will, immer weiter auf das Höngger Wehr zu. Kurz vor dem Wehr mussten natürlich alle, die inzwischen längst aus dem Boot in die Limmat gesprungen waren, wieder in die Schlauchboote steigen. Wir fuhren zur Kahnrampe am linken Ufer und schleiften die Schlauchboote von Hand zum Unterwasser. Es waren jetzt noch ein paar hundert Meter in der Restwassermenge (20 m^3 pro Sekunde, wie wir später noch hören sollten) zurückzulegen, und endlich waren wir am Ziel, dem "Siegenthaler Strand" (früher einmal Siegenthaler Hafen, doch das Hochwasser vom letzten Sommer hat daraus einen Strand gemacht). Sofort liessen wir den Gasgrill laufen; es war bereits 13.30 Uhr, also höchste Zeit für das Mittagessen, und die Kinder legten ihre kunstvoll eingeschnittenen Würste auf den Rost.
 
Viele hatten immer noch nicht genug vom Baden. Kein Problem, sie konnten die ganze Mittagspause im Wasser verbringen, vorausgesetzt, dass sie eine Schwimmweste trugen, denn wir Pontoniere sind keine ausgebildeten Fluss-Bademeister. Ausserdem macht das Baden auch mit der Schwimmweste Spass. Den Nachmittag liessen wir ausklingen mit ein paar verschiedenen Aktivitäten, je nach Lust und Laune der Kinder: Rudern und Stacheln mit dem Weidling, Kennenlernen der wichtigsten Knoten, Spanntauwerfen und --- für die Unermüdlichen --- weiterhin Baden. Doch schon bald war es Zeit, die Sachen zu packen, zur Tramstation Tüffenwies zu gehen und sich müde und zufrieden fürs erste zu verabschieden.
 
Kühles Bad im See
Fahrt durch die Altstadt von Zürich
Schlauchboot-Pumpwettkampf
Unter der Bahnhofbrücke
Start der Schlauchbootfahrt
Die grosse Wasserschlacht
 
Der nächste Tag begann mit einer Führung durch das Kraftwerk Höngg unter der Leitung von Martin Fricker. Das Kraftwerk Höngg stammt noch aus der Pionierzeit der Elektrizität und wurde vom EWZ (Elektrizitätswerk der Stadt Zürich) aufwändig restauriert. Davon profitierten wir natürlich. Doch zuerst schauten wir die Fischtreppe an und stiegen dazu eine Leiter hinunter in einen Schacht. Die einen sahen wohl mehr Spinnen als Fische. Die Fischtreppe wurde gebaut, damit die Fische das Kraftwerk überwinden können. Denn der eine Teil des Flusses fliesst durch die Turbine und wird für die Erzeugung der Elektrizität genutzt, und der andere Teil stürzt über das Stauwehr einige Meter in die Tiefe. Ohne Fischtreppe gäbe es für die Fische deshalb kein Durchkommen. Danach gingen wir unter dem Wehr hindurch einen Gang entlang, in dem es schön kühl war. Doch schon bald stiegen wir wieder auf ans Tageslicht und spazierten zum Kraftwerk, das sich etwa dreihundert Meter weiter flussabwärts befindet. Der Kanal zwischen dem Wehr und dem Kraftwerk ist für das Schwimmen geeignet, weshalb sich dort auch eine Badi befindet. Doch wer sich zu weit nach unten treiben lässt und die vielen Warnschilder und das Begrenzungsseil im Wasser nicht beachtet, bekommt ein Problem: Irgendwann kommt der Rechen des Kraftwerks, wo grösseres Schwemmgut hängen bleibt und das Wasser unerbittlich zur Turbine gezogen wird. Wir nahmen aber den sicheren Landweg und stiegen in einen Lift, der --- leider leider --- nicht vom Strom aus dem Kraftwerk, sondern durch unsere eigene Muskelkraft betrieben wurde. Aber wir gelangten auch so in den oberen Stock (der gar nicht so viel weiter oben war...). In einer Multimediashow wurde uns erklärt, wie überhaupt aus der Wasserkraft Strom wird, und wie man die Energie misst. Mit viel Information eingedeckt gab es dann für alle ein Sandwich und Eistee, und Martin Fricker liess noch die beiden alten, immer noch funktionstüchtigen Turbinen laufen. Sie könnten noch heute Strom liefern, doch dann müsste die Produktion vor Ort rund um die Uhr überwacht werden. Deshalb läuft für die ordentliche Stromproduktion heute eine modernere Turbine.
 
Am Mittag war es wieder Zeit zum Baden und zum Grillieren. Doch als die Pontoniere das Schlauchboot aus dem Materialdepot zogen, wollten alle gleich wieder damit auf den Fluss; ein Schlauchbootwettkampf läutete den Nachmittag ein. Die gleichen Gruppen wie am Vortag mussten einen Parcours möglichst schnell absolvieren. Doch diesmal war kein Erwachsener im Boot, die Kinder mussten selbst steuern. Deshalb gab es zuerst zwei Proberunden und nach jeder Proberunde eine Lagebesprechung: Was kann verbessert werden, und was sollte beim Wettkampf genau so wiederholt werden? Am Schluss wurde dann die Zeit gestoppt: Zuerst übersetzen auf die andere Uferseite, doch nicht auf direktem Weg, um nicht zuviel Höhe zu verlieren. Dort musste jemand aussteigen und bei der Sitzbank die Glocke betätigen. Sprint zurück, in das Schlauchboot hechten und die zweite Glocke, die von der Brücke herunterhing, bei der erneuten Überfahrt betätigen. Das gelang der einen oder anderen Gruppe während der Übungsfahrten nicht, doch im Wettkampf schafften alle diese Hürde. Dann möglichst schnell ans Ufer zurück, wo jemand aussteigen, zum Anker hinaufspurten und ins Horn blasen musste, was gerade das Signal für den Zeitnehmer war. Die schnellsten Gruppen schafften es in weniger als zwei Minuten! Bravo!
 
Nun hätten die einen zwar gerne wieder ein bisschen gebadet, aber die Zeit drängte, und so starteten wir sogleich mit dem Einzelwettkampf. Die Kinder mussten an drei Posten möglichst viele Punkte holen: 1. Spanntauwerfen --- so wie die Matrosen, wenn sie am Ufer jemandem das Seil zuwerfen, um das Schiff anzubinden ---, 2. Schnüren, d. h. drei Knoten in möglichst kurzer Zeit richtig knüpfen und 3. "ABC-DRS3", ein Spiel für Schnell-Denker, bei dem man zu verschiedenen Fragen immer einen richtigen Begriff mit dem richtigen Anfangsbuchstaben finden muss. Zum Schluss blieb noch ganz wenig Zeit zum Baden, dann musste bereits aufgeräumt werden. Alle Kinder bekamen ein Züripontonier-Ferienpass-Diplom, einen Kugelschreiber und ein Glacé sowie --- soviel Werbung muss sein --- einen Prospekt mit Angaben über den Pontoniersport und den wichtigsten Telefonnummern. Die besten drei bekamen zusätzlich eine Dächlikappe des Pontonier-Sportvereins Zürich. Wir verabschiedeten uns, und die Kinder wurden noch bis zur Tramstation begleitet. Zufrieden und müde wurden sie von den Eltern in Empfang genommen oder setzten sich selbständig ins Tram, um nach Hause zu fahren.
 
Der ganze Anlass war ein schönes Erlebnis, nicht nur für die teilnehmenden Kinder, sondern auch für die vielen Helferinnen und Helfer des Pontonier-Sportvereins, denen der Schreibende hiermit nochmals recht herzlich für den Einsatz dankt. Aber auch den Kindern danken wir gerne, sie haben super mitgemacht und uns motiviert, wieder einmal mit dem Zürcher Ferienpass und dem EWZ zusammenzuarbeiten.
 
Stefan Büchi, Präsident des Pontonier-Sportvereins Zürich