Maschine
 
 
 
 
Es regnete. In der Seitenstrasse war es dunkel, fast schwarz.
Die Maschine surrte leise, als sie das Blut aus dem Körper des alten Mannes in den angeschlossenen Kanister pumpte.
Das Gesicht des Mannes, der auf dem Rücken lag, war bedeckt mit einem Tuch.
Chloroform hatte sich bewährt.
Mike sah auf seine Patek- Philippe- Uhr.
Die 2 Minuten waren um.
Er schaltete die Pumpe aus und steckte sie in  eine Manteltasche.
"Bonnnng"
Die Kirchenglocke auf der anderen Strassenseite schlug ein Uhr.
Er zog  Nadel aus der Vene des toten Mannes.
Steckte den Schlauch ein und schloss den Kanister.
"Gute Zeit" lächelte er kalt.
Die Maschine hatte ihre Erwartungen erfüllt.
Er drehte sich um und ging, den Kanister in der Rechten, die Seitenstrasse hinunter und bog rechts ab.
Es war Februar.
Karneval.
Wie Helloween zu Hause....
Eine Gruppe Jugendlicher kam auf ihn zu, verkleidet als Vampire.
3 jungen und 2 Mädchen.
Als er sie fast erreicht hatte, lächelte er und bemerkte:
"Cooles Outfit!"
"Du solltest Dich auch verkleiden, schliesslich ist Karneval." entgegnete einer.
Sie blieben stehen und Mike fragte:
"Wo bekommt man denn solche Umhänge? Hab´ich noch nie gesehen..."
"Na in jedem guten Laden. Lebst Du hinterm Mond?" wurde der kleinste frech.
Mike lächelte nur kalt.
Der andre fuhr fort: "Jeder Vampir hat einen Umhang, das weiss doch jeder!"
"Vielleicht besorg ich mir auch so was. Macht's gut Leute und viel Spass noch!"
verabschiedete sich der Blutsauger  kalt lächelnd.
 
Zwei Strassen weiter war er am Wagen angekommen, ein Toronado.
Mitternachtsblau.
Wenn ihn jemand auf den Kanister ansprechen würde, würde er auf das ARAL-Zeichen hinweisen.
Aber warum sollte jemand das tun?
Zu dieser Jahreszeit waren viele Menschen unterwegs.
Er öffnete den riesigen Kofferraum und stellte den Kanister hinein.
Mike stieg in den Wagen, zündete sich eine John Player Special an und startete den Motor.
Er würde bald zu Hause sein und dann geniessen.
Sein Smartphone klingelte.
Er kramte es aus der Innentasche des Ledermantels und warf einen Blick auf das Display.
 
Jim rief an.
Mike würde später zurückrufen.
Und steckte das Handy wieder ein.
Er gab Gas...
 
Minuten später kam er zu Hause an.
Während er die Einfahrt hinaufrollte, öffnete sich das Garagentor und das Licht erhellte die Garage.
Nachdem der dunkle Oldsmobile ausgeschaltet war, stieg der Vampir aus und ging zum Heck
um den Kanister zu holen.
Er lief danach in die Küche um ein Rotweinglas zu holen.
Mike wollte fernsehen, darum würde er den Rest des Abends im Wohnzimmer verbringen.
"Mal sehen was so im Fernsehen los ist" sagte er zu sich selbst und warf den Ledermantel auf einen der Sessel.
Sein Hund kam dazu und legte sich faul auf den Teppich vor der Couch.
Der Blutsauger goss sich ein Glas aus dem Kanister ein und nahm einen grossen Schluck.
"Rotwein schmeckt besser" dachte er.
Dennoch brauchte er das Blut. Es war eine Notwendigkeit.
Mike schaltete den Plasmafernseher ein und dachte an seine Pumpe.
Er war begeistert von seiner neuen Erfindung.
Die neue Maschine war sehr schnell und klein, dabei fast lautlos.
Er wollte sich gerade eine seiner Glimmstengel anzünden, als das Handy erneut klingelte.
Diesmal beantwortete er den Anruf.
"Hi Jim! Konnte vorhin nicht. Musste Essen besorgen."
 
"Hast Du die Maschine fertig?"
 
"Ja. Wir können uns in 2 Tagen treffen. Dann kannst Du eine bekommen. Soll ich Dir Daten per email zusenden? Dann hast Du mal eine Vorstellung wie sie aussieht."
 
"Ja das wäre gut. Bis Mittwoch."
Mike legte auf und steckte das Smartphone in die Hosentasche.
Er fand auf einem spanischen Kanal einen Horrorfilm, der ihm gefiel.
Gut, dass er 5 Sprachen mächtig war.
Geld ermöglichte vieles.
Gegen 5 Uhr morgens ging er ins Schlafgemach und ruhte etwas.
Er schlief ja immer wenig und vor allem traumlos.
 
Als er ein paar Stunden Später erwachte, schien die Sonne in sein Zimmer.
"Wie kommen die Menschen nur darauf, dass wir kein Licht mögen?" fragte er sich und stand auf.
Sein zweiter Blick fiel auf seinen Wecker.
9 Uhr.
Das Handy klingelte.
Mike kramte es aus der Hosentasche hervor.
"Suzy" konnte er auf dem Display lesen.
 
"Hi Suzy." nahm er das Gespräch an.
 
"Hallo Mike! Jim wartet schon ganz ungeduldig auf die Daten, soll ich Dir sagen."
 
"Wieso, ist er am verhungern?" lachte Mike
 
"Haha, nein, aber er ist doch eben manchmal wie ein Kleiner Junge.
Mich interessiert das übrigens auch sehr.
Dann brauchen wir uns nicht mehr die Hände schmutzig zu machen..."
 
"Ich sende dann die Daten gleich. Kannst Du ins "Café Belleau Wood" kommen? Gegen 12?"
Suzy war sehr gut mit Mike befreundet. Platonisch nur, aber dennoch.
 
"Schlecht. Hab´keinen Wagen heute."
 
Das regte Mike auf. Er fasste einen Entschluss.
"Ich hol´Dich ab. Kurz vor 12?"
 
"Ja. Klasse. Kannst Du den Lamborghini nehmen?"
 
"Für Dich tue ich doch alles" grinste Mike ins Handy. "Bis dann."
 
Suzy war genauso technikbesessen wie er. Und sie liebte den Gallardo.
Sie mochte auch die Porsche und Maserati und all die anderen.
Aber den Gallardo liebte sie.
 
Nachdem der Vampir geduscht und sich angekleidet hatte, ging er direkt in die Garage, die mehr einer niedrigen Halle glich.
Heute würde Suzy ein Auto geschenkt bekommen...
Er verbrachte die Zeit mit dem Reinigen des Gallardo, bis ihm die neue Maschine einfiel.
Er sollte Jim doch die Daten senden!
Er ging um den Wagen herum, öffnete den Kofferraum und entnahm das Powerbook.
Das war eine seiner Macken.
In jedem seiner Wagen fand sich eines.
Er klappte es auf und schickte die Daten per Airport Extreme zu Jim.
 
Vampire liebten die neue Technik.
Vor allem diese Powerbooks der Firma Apple.
Sie waren edel und leicht, fast so aristokratisch wie die Blutsauger selbst.
Mike war immer irgendwie online.
Die ihn kennten und schätzten, konnten ihn immer erreichen.
Nach dem Senden der Daten klappte er es wieder zu und verstaute es.
Er schaute auf die Uhr.
11:30.
Zeit genug die offenen Luftfilter zu montieren.
Der Wagen würde etwas mehr Sprit brauchen. Aber wen kümmerte das?
Es war schnell erledigt.
Er startete den Motor.
"Klingt schon besser!" sagte er zufrieden und fuhr aus der Garage.
Gleich war er bei dem weiblichen Vampir.
 
Sie war wie immer gekleidet: Rock, Stiefel und Top- Alles schwarz.
"Hallo liebster!" empfing sie ihn mit einem Lächeln, wobei nicht ganz klar war, wer gemeint war:
Der Vampir oder das Auto...
 
"Hi Suzy!" rief der Vampir durch das geöffnete Beifahrerfenster. "Steig ein!"
Suzy schwang ihren Körper elegant in die Gallardoschale.
"Ich habe eine Überraschung für Dich mein Schatz! Aber zuerst will ich noch einen Ölwechsel machen lassen."
Mike nannte all seine Freundinnen "Schatz".
 
"Fein. Bin mal gespannt." Erwiderte sie.
Mike gab Gas.
Innerhalb weniger Minuten waren sie beim Autohaus angekommen und der Gallardo wurde sogleich in die Werkstatt geholt.
Die beiden gingen etwas durch die Verkaufshalle und sahen sich die Wagen an.
"Welchen findest DU denn am Besten?" fragte der Vampir seine Begleitung.
 
"Der hier!" antwortete sie und deutete auf einen dunkelblauen Diablo SV.
 
"Setz Dich mal rein." sagte der andere und öffnete die Schwinge.
Sogleich erschien ein Verkäufer.
"Sind sie an dem Wagen interessiert? Ein gutes Angebot..."
 
Mike fiel ihm ins Wort:"Was soll er denn kosten?"
"Äh, der kostet genau" der Verkäufer schaute auf das Schild im Fenster "95.000."
 
Der Vampir gab dem Mann seine Dokumente. "Machen sie mal den Vertrag fertig."
Erstaunt nahm der Mann die Papiere und schlich davon.
 
"Hast Du den etwa gekauft?" fragte Suzy verwirrt.
 
"Ja klar. Rate mal für wen." grinste Mike.
 
"Was denn für Mich?" schaute sie ihn ungläubig an.
 
"Klar für Dich. Du bist eine meiner engsten Vertrauten und hast, hattest kein Auto. Nun hast Du eines."
 
"Du spinnst!" freute sie sich, sprang heraus und küsste ihn.
Das hatte sie noch nie getan.
Eine Umarmung, ja das war vorgekommen, aber ein Kuss?
 
Mike war erstaunt ob ihrer Reaktion.
Damit hatte er nicht gerechnet.
 
Sie wand sich dem Wagen zu und ging um ihn herum.
Ihre Hand fuhr die Karosserie entlang.
"Wahnsinn!" murmelte sie. "Meiner."
Sie konnte es kaum glauben.
 
"Komm jetzt, wir werden den Vertrag unterzeichnen."
 meinte Mike und nahm sie an der Hand.
Er wählte die Nummer seines Versicherungsagenten und teilte ihm mit, dass er den Wagen zulassen sollte.
Gut, dass man das per Fax erledigen konnte...
Gegen 15 Uhr erschien der Agent und montierte die Schilder.
Die Espressomaschine war dankbar, da sie einige viele Tassen produzieren musste....
 
"Hallo Mike!" begrüsste er den Vampir.
 
"Tag Konrad. Gut, dass das so schnell ging." erwiderte dieser.
 
"Meinen besten Kunden bin ich immer zu Diensten." Ich geh mal wieder, habe noch mehr zu tun. Viel Spass noch."
verabschiedete sich der Agent.
 
"Da werden die anderen aber staunen!" frohlockte der weibliche Vampir.
Was man über Vampire lesen konnte,war schlicht falsch.
Im Grunde waren sie den Menschen gar nicht so unähnlich.
 
"Dann wollen wir mal die Strassen unsicher machen. Mal sehen, was Du so kannst. Folg mir."
Mike stieg in den Gallardo und startete den Motor.
Suzy sass hinter ihm im Diablo.
Runter vom Hof des Autohauses und rauf auf die Autobahn war eines.
Die Maschinen reagierten präzise auf die Gasbewegungen der Fahrer.
Auf der Autobahn fuhren sie nur auf der linken Spur.
Schnell.
Sehr schnell.
Bei Tempo 200 trat der Vampir auf das Gaspedal.
Die Kraft der V-Maschine presste ihn in die Sitzschale.
Suzy gab ebenfalls Gas und wechselte auf die Rechte Spur.
Nun waren sie nebeneinander bei Tempo 320.
Es wurde langsam dunkel.
Die beiden hielten nur zum Tanken an, dann fuhren sie weiter.
Immer weiter, der Nacht entgegen.
Sie genossen die Geschwindigkeit und die Kraft der Maschinen.
Irgendwo würden sie halten und sich nach Blutspendern umsehen...
 
 
 
7
Sonntag, 7. Januar 2007