Der Volvo 480, ein richtiger Volvo ???

 
 

Im Jahr 1985 erschien ein Fahrzeug im Volvo-Programm das den Volvos von Heute den Weg ebnete, der erste frontangetriebene Volvo, der Volvo-480.
Für den US- amerikanischen Markt entwickelt und gebaut blieb dieses Coupé zehn Jahre in Produktion und obwohl es nie in den USA verkauft wurde, kam das Schlafaugen-Coupé auf eine Produktionszahl von 80.500 Einheiten.
Styling und mangelhafte Zuverlässigkeit verschafften dem 480‘er ein sehr gemischtes Presseecho. Richard Bremner brachte es im Car Magazine auf den Punkt:" Er sieht aus wie das Ergebnis eines drogenbenebelten Nachmittags in einem Amsterdamer Coffee Shop ", doch drängt sich der Verdacht auf, dass hier " ein Volvo entstanden ist, den es lohnt, aufzuheben. Und davon gibt es nicht viele."
Fans der klassischen Volvos - vom ersten PV 444 bis zum letzten 1800 ES - werden dem sicher nicht zustimmen können...
Dem 480‘er haftet immer ein wenig der Ruch des Versagers an, sowohl bei Volvo selbst wie auch in der allgemeinen Einschätzung. Und doch ebnete er besseren Autos den Weg, etwa dem 850‘er oder der 40er Serie und dem S 80...
Ich denke das die relativ geringe Produktionszahl, sein auffälliges Styling, die Liebe und Hingabe der Eigentümer ihren Beitrag leisten werden das dieses Auto genau so ein Klassiker werden wird wie der legendäre 1800 ES. Für alle die es interessiert möchte ich noch einige Details aus dem Geschichtsbuch des 480er erwähnen.

Unter dem Codenamen E12 begann das Projekt 1978 mit dem Ziel, einen Sportwagen zu schaffen,

der die Rolle des 1800 ES übernehmen konnte, speziell in den USA, wo ein solcher Fahrzeugtyp für die Volvo-Händler eine besondere Attraktion darstellte.

Das Projekt wurde von Göteborg aus geleitet. Ein schwedisches und ein niederländisches Designe - Team fertigte Entwurfszeichnungen für eine 1980 in den USA durchgeführte Produkt - Clinic an.

Der niederländische Entwurf wurde angenommen und die Entwicklung der Prototypen begann in den Niederlanden. Bei Volvo wußte mann nicht, dass Honda die dritte Generation des Accord seit 1981 entwickelte.

Es sollte ebenfalls ein sportliches, dreitüriges Combicoupé mit modernen Linien werden.

Der HONDA Accord Aerodeck erschien im Frühjahr 1985 auf dem japanischen Markt.

Völlig konstertiert stellten die Designer in Schweden und in den Niederlanden eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem 480 ES fest.

Der von Volvo und Renault gemeinsam entwickelte, quer eingebaute Vierzylinder besass eine obenliegende Nockenwelle mit Zahnriemenantrieb.
Der Motor ist eine fortschrittliche Konstruktion mit Heron - Zylinderkopf- brennkammern im Kolbenboden und elektronischer Einspritz- und Zündanlage. Die nächste Version - der 480 Turbo mit dem B 18 FT - Motor erschien Anfang 1988.

Äusserlich gab es nur leichte Unterschiede zum ES. Die Motorleistung wurde durch den Einbau eines wassergekühlten Garrett-Turboladers, Ladeluft- und Ölkühler auf 120 PS bei 5400 U/min angehoben. Wichtiger noch war, dass das maximale Drehmoment jetzt bei 1800 U/min erreicht wurde statt bei 4000 U/min im ES. Am Ende seiner Produktionszeit besitzt der 480 einen der besten Turbomotoren auf dem Markt, ausgezeichnete Strassenlage und eine ungewöhnlich umfangreiche Ausstattung. Im Jahre 1990 debütierte eines der hübschesten Volvo-Modelle aller Zeiten auf dem Genfer Salon. Es war das 480‘er Cabriolet, ein zum offenen Sportwagen umfunktionierter 480 ES.

Trotz des überwältigenden Interesses, das es erweckte, gelangte das Modell nie zur Serienreife, hauptsächlich wegen produktionstechnischer Probleme. Laut Volvo wurde nur eine Handvoll

davon gebaut. Ein Exemplar kann man im Volvo-Museum bewundern.