Kritiken

Kritik zu „Sweet and Lowdown“ (Theater Krefeld / Möchengladbach)

Rheinische Post - 17. Februar 2007

Kritik zu den Brahms Sextetten (Carbo Quartett) in Moers

Stücke, die jeder gerne wieder hört...

WAZ - 13. Februar 2007

MOERS. Brahms'sche Eleganz wurde im Kammermusiksaal Martinstift mit dem "Carbo-Quartett" geboten. Es war ein Abend der Sextette und so wurde das Quartett unterstützt von Henning Stahl (Viola) und Hauke Hack (Violoncello), beide Mitglieder des Dortmunder Philharmonischen Orchesters. Das Quartett bietet vorzugsweise Stücke "die keiner kennt, aber jeder gerne wieder hört", so das umfangreiche Programmheft, und damit begeisterten sie auch die Moerser Bürger.

Als erstes musikalisches Highlight war das "Sextett Nr.1 B-Dur, op. 18" zu hören. Das "Allegro ma non troppo" scheint in glückseligem Sehnen zum Versinken in der Melodie einzuladen. Das Violoncello, bravourös intoniert von Christiane Schröder, geht anfänglich einen klanglichen Dialog mit der tänzerisch verzierenden Violine (Maurice Maurer) ein, um schließlich mit dem gesamten Ensemble zu verschmelzen. Den Abschluss bildet eine muntere Pizzicato-Sequenz, die exaktes aber ästhetisch vollendetes Zusammenspiel des Sextettes beweist.

Von heroischer Leidenschaft und feuriger Charakteristik geprägt ist dagegen das "Andante ma moderato". Hier kann sich besonders Detlev Bruß (Viola) durch Kunstfertigkeit und Ausdruck hervortun. Die Komposition ist durch stets vorwärtstreibende Dynamik gezeichnet, welche speziell durch Schröders Violoncellopart eine aufreibende Brisanz erhält.

Nach dem rasant-überschwänglichen "Scherzo Allegro molto", besticht das "Rondo Poco Allegretto e grazioso" durch unkonventionelle Melodiewendungen. So bietet es zwischen träumerischer Rast und aufgeregter Beschwingtheit eine Chance für Detlev Bruß (Viola) seine Virtuosität und Präzision zu beweisen, während Maurice Maurer und Alex Pinto (Violine) im geruhsamen Part meisterhafte Harmonie darbieten.

Nach der Pause schließt sich das "Sextett Nr. 2 G-Dur, op. 36" an, welches in seinem ersten Satz ("Allegro non troppo") einem märchenhaften Wintermorgen gleich durch die perlende Intonation des vielfach preisgekrönten Jungtalents Maurer entzückt.

Wirbelndes Tonflirren

Hacks Ausdrucksstärke auf seinem Violoncello, welches 1885 als Exponat der Weltausstellung fungierte, drückt sich durch ein wiederkehrendes, wirbelnd impulsives Tonflirren aus, welches akkurat durch Stahl (Viola) eingeleitet wurde und sich seinen Weg durch Viola und Violine bahnt.

Tröpfelnd und verspielt scheint das "Scherzo: Allegro non troppo - Presto giocoso" von fernen Ländern zu erzählen, und den Musikern ist die Freude am Spiel anzusehen. Vor Intensität reißen Maurer sogar einige Bogenhaare, was der Qualität seines Spiels, unterstützt von einer ausgefallenen Mimik, keinen Abbruch tut.

Das konzertante Finale ist schließlich das "Poco Allegro" welches auftrumpfend das Können aller Ensemblemitglieder vereint. Lang anhaltender Applaus. (Leonie Viola Thöne)

Video zu Sweet and LowdownVideos.html

Selten gespieltes Brahms-Werk

VON VERA TIMOTIJEVIC

Das Johannes-Quintett eröffnete die kleine Reihe der Sommerkonzerte des Stadttheaters. Maurice Maurer, Martin Schminke, Henning Stahl, Christiane Schröder und Hauke Hack fesselten die Zuhörer im Historischen Rathaus mit ihren musikalischen Leistungen.

 

BOCHOLT Mit zwei romantischen Streichquintetten startete die neue Konzertsaison jetzt im Historischen Rathaus. Das Johannes-Quintett – wobei Johannes sich als Hommage an Brahms versteht – spielte Werke von Schubert, und wie kann es anders sein, von Brahms. Maurice Maurer, Martin Schminke, Henning Stahl, Christiane Schröder und Hauke Hack gefielen von Anfang an. Mit der beeindruckenden dynamischen Spannweite, die sie ihren Instrumenten zu entlocken wussten, fesselten sie die Zuhörer wohl ausnahmslos.

 

Zunächst erklang Brahms selten gespieltes „Streichquintett f-moll“ in der rekonstruierten Fassung von Sebastian Brown. Nach der Pause ging es mit Schuberts kurz vor seinem Tod komponierten „Streichquintett C-Dur“ weiter. Das Johannes-Quintett kombiniert zwei Geigen, eine Bratsche und zwei Celli zu einem geschmeidigen Klangkörper. Sehr schön zu erleben etwa in Brahms „Scherzo“. Voluminös erklangen hier die Streicher. In stürmischer Eile berührten die Bögen für Bruchteile von Sekunden die Saiten, ebenso schnell huschten die Finger am Hals der Instrumente entlang, wobei Klänge voll glanzvoller Festlichkeit entsprangen.

 

Zarter Schmelz und delikate Piano-Passagen zeichnete Schuberts „Allegro non troppo“ aus. Vollendet durch hauchzarte Pizzicati der Bratsche und des Cellos, während die Violinen kapriziöse Volten schlagen. Reißt der erste Satz des C-Dur-Quintetts die Zuhörer mit, der schlussendlich durch das Cello besänftigende Ruhe erfährt.

 

Auch das zunächst schmeichelnde Adagio des zweiten Satzes mit den anrührenden Melodienbögen der Geige gelang den fünf Musikern im Historischen Rathaus vortrefflich. Die abrupten Stimmungswechsel fügten sich wunderbar an. Auch das Scherzo bestach durch virtuose Spielfreude. Im Mittelteil kamen die Klänge wie Meereswellen daher, und die Instrumente verschmolzen zu einem einzigen Klangkörper. Der Schluss des Scherzos zeigte sich dann wieder genauso dynamisch und virtuos wie der Auftakt.

 

Mit tänzerischer Leichtigkeit und einem scheinbaren Wettstreit der beiden Geigen klang das Finale von Schuberts wunderbarem C-Dur-Streichquintett aus und hinterließ ein beeindrucktes Publikum, das sich mit reichlich Applaus bei den musikalischen Akteuren des Johannes-Quintettes bedankte.

VBB.net - 16. August 2007

© Maurice Maurer - www.mauricemaurer.de - 2007