Satellitennavigation
Satellitennavigation
Ein schönes Spielzeug
Eigentlich haben wir bisher jeden Weg auch ohne „Navi“ gefunden. Und wenn tatsächlich mal ein Abzweig verpasst wurde, waren wir oft auf Straßen unterwegs, um die es schade gewesen wäre, wenn wir sie nicht gefahren hätten.
Warum also ein Navigationsgerät auf dem Motorrad? Noch dazu, wo das Programmieren von Routen so unendlich viel Zeit kostet?
Wer einmal in der Dämmerung bei strömenden Regen am Straßenrand stand, um eine völlig durchweichte Karte zum x-Mal umzudrehen, nur weil der benötigte Blattausschnitt nicht in Gänze in den Tankrucksack passt, der weiß, wovon ich rede. Wie wohltuend ist es da, den gesetzten Wegpunkt des gebuchten Hotels aufzurufen und nur noch den Anweisungen des „Navis“ zu folgen. Der Weg dorthin ist vielleicht nicht immer der Kürzeste. Aber er lässt sich in einem Stück fahren, ohne dass ein beschlagenes Visier die Sicht auf die ohnehin schwer zu erkennenden Wegweiser behindert.
Für den Anfang: GPS III
Mein erstes „Navi“ war ein GPS III von Garmin. Nicht routingfähig und für den Einsatz auf der Straße eigentlich ungeeignet. Ein Pfeil auf dem Display zeigte in die Richtung des nächsten Wegpunktes, den es zu erreichen galt. Doch welcher Abzweig auf der Straße letztlich dorthin führte, blieb oftmals fraglich. Heute leistet das GPS III als „Tripmaster“ noch gute Dienste. Es zeigt unter anderem die Durchschnittsgeschwindigkeit an, die aktuelle Höhe sowie die gefahrenen Tageskilometer.
Quantensprung: Streetpilot III
Der Streetpilot III (SP III) war das erste „routingfähige“ Navigationssystem von Garmin. Für viele Länder Europas gab es nun so genannte Feindaten auf einer CD. Als Feindaten bezeichnet man digitalisierte Straßen, die nicht nur der groben Übersicht dienen sondern detailgetreu bis auf die Ortsebene reichen. So konnten jetzt Adressen eingegeben und mit dem Streetpilot III auch angefahren werden. Funktioniert hat das Ganze recht gut, wenn auch die garminspezifische Speicherkarte für den SP III sehr teuer und in der Kapazität (anfangs maximal 128 MB) doch sehr beschränkt war. Zudem erwies sich der Prozessor im SP III als leicht überfordert. Wurde von der errechneten oder programmierten Route abgewichen, dauerte es häufig eine kleine Ewigkeit, bis der Streetpilot III eine Alternative errechnet hatte. Erfolgte die Neuberechnung während der Fahrt, kam es vor, dass sich der SP III „aufhängte“ und neu gestartet werden musste. Auf die Dauer reichlich unbefriedigend, aber immerhin ein vielversprechender Anfang.
2610 als Alternative?
Den Garmin 2610 haben wir als Navigationssystem für unseren Ford Transit gekauft, der bei vielen Touren als Begleitfahrzeug dabei ist. Er löste einen Laptop mit GPS-Maus ab, der sich im Auto als nicht unbedingt ideale Lösung erwiesen hatte. Damals gab es noch nicht so viele GPS-Geräte, so dass der 2610 seinerzeit von vielen Motorradfahrern als Alternative zum Streetpilot eingesetzt wurde. (BMW bietet ein fast baugleiches Gerät, mit spiegelfreiem Display und um BMW-Werkstätten erweiterter Software unter dem Namen „Navigator“ an). Der 2610 verfügt über einen schnellen Prozessor; vor allem aber werden als Speichermedium handelsübliche CF-Karten eingesetzt. Die finden bei vielen digitalen Fotoapparaten Verwendung und sind entsprechend preiswert zu haben. Wer eine 2 GB-Compact-Flash-Karte kauft, kann darauf alle für Europa erhältlichen Feindaten abspeichern und muss sich bis zum nächsten Update keine Gedanken mehr darüber machen, ob der Speicherplatz für die in Frage kommenden Straßen, Hotels, Werkstätten oder Tankstellen des jeweiligen Reiseziels ausreicht. Ein nicht zu unterschätzender Vorteil! Allerdings kann der GPS 2610 nicht während der Fahrt bedient werden. Einige Menüpunkte lasse sich nur über den Touchscreen erreichen, der auf Berührungen mit Handschuhen nicht oder nur sehr ungenau reagiert. Zudem fehlt dem 2610 ein Akku – ohne Strom geht nichts.
Derzeit aktuell: 276 C
Der 267C ist für mich ein für Motorradfahrer optimierter SP III, auch wenn er urspünglich wohl für die Schifffahrt konzipiert wurde. Der Prozessor ist unglaublich schnell, das Display auch bei Sonneneinstrahlung gut ablesbar, außerdem können alle wichtigen Funktionen direkt am Gerät über kleine Knöpfchen angesteuert werden. Zudem funktioniert der 276C, im Gegensatz zum 2610, auch ohne Bord- oder Netzstrom, weil im „Navi“ ein leistungsfähiger Akku integriert ist, der sich - am Stromnetz angeschlossen - wieder auflädt. Einziger Nachteil: Bei 276C setzt Garmin erneut auf sein eigenes Speichermedium, das zum einen teuer, zum anderen nur bis 256 MB erhältlich ist. 512 MB sind zwar schon angekündigt, zunächst aber wohl „unbezahlbar“. Wer mit dem 276C Fernreisen unternimmt, muss genau prüfen, ob für die benötigten Feindaten 256 MB Speicherplatz ausreichen oder ob vielleicht noch eine zweite Speicherkarte zum Wechseln benötigt wird.
Nette Ergänzung: 60 CS
Den 60CS setzte ich gern beim Enduro fahren ein. Das Gerät ist klein, robust, und lässt sich zudem kinderleicht, fast intuitiv bedienen. Das Display ist klasse; wie beim alten GPS III kann die aktuelle Höhe während der Fahrt abgelesen werden. Zudem „schreibt“ der 60 CS ein Höhenprofil mit, so dass sich Auf- und Abstiege während der Kaffeepause – oder später am Computer – anschauen lassen. Zugegeben, eine nette Spielerei, die man aber schnell nicht mehr missen möchte. Gravierender Nachteil: der 60 CS verfügt nur über einen internen, nicht erweiterbaren Speicher von 50 MB. Wer damit längere Strecken zurücklegen will, muss zwangsläufig einen Laptop mitnehmen und abends die Feindaten vom nächsten Ziel „nachladen“.
Seit kurzem wird der 60 CSx angeboten, der über einen externen, auf bis zu 512 MB erweiterbaren Speicher verfügt. Zum Einsatz kommen dabei so genannte Transflex-Karten, die auch in der Fotografie verwendet werden.
Statt PDA: iQue 3610
Mittlerweile gibt es 2 GB-Karten im SD-Format. Jetzt passen auch in den iQue alle Feindaten Europas. Allerdings wird der PDA beim Suchen von Einträgen dann etwas langsamer. Für mich ist der iQue eine ideale Ergänzung bei der Autofahrt und im Büro. Alle Teilnehmerdaten im Adressbuch, jederzeit einen Wegpunkt suchen und dorthin navigieren können, unter Exel ein paar Tabellen anlegen und unter Word Notizen abspeichern – alles ist möglich. Keine GPS-Maus anstöpseln, einfach die Antenne ausklappen und losfahren. Toll! Leider gibt es auch ein paar Nachteile. Gesetzte Wegpunkte lassen sich nur mit einem Zusatzprogramm auf dem PC abspeichern und die Office-Applikationen liegen nur in englischer Sprache vor. Zudem hält der Akku nicht allzu lange; eine Backup-Batterie fehlt. Geht dem iQue 3600 mal der Saft aus, sind alle gespeicherten Daten weg. Trotzdem würde ich ihn nicht missen wollen.
Für den Einsatz am Motorrad bietet Touratech eine spezielle vibrationsentkoppelte Halterung an. Ein PDA am Motorrad aber scheint mir keine gute Wahl – es sei denn, Du willst mit kalibrierten Landkarten oder speziellen Kartendaten unterwegs sein, die sich nicht auf einen Garmin überspielen lassen.
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