Pässe fahren im Frühsommer

Anfang Juni, als der Schnee auf den Pässen endlich geräumt war und die Sonne so langsam an Kraft gewann, brachen wir zu einer herrlich kurvenreichen Motorradtour in den Bregenzer Wald auf. Nahe des Bodensees, an der Grenze zur Schweiz und zu Deutschland, hatten wir ein kleines Hotel gefunden, das idealer Ausgangspunkt für abwechslungsreiche Tagestouren war.

| Sonntag, 3.6.2007

Auf den Spuren der Pilger

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Wurst, Käse und selbstgemachter Marmelade ging es los. Am ersten Tag stand eine beschauliche Runde durchs Allgäu auf dem Programm, die uns bis nach Garmisch führen sollte.  Bei einem ersten kurzen Stopp nach gut eineinhalb Stunden rieben wir uns verwundert die Augen: auf dem Parkplatz stand ein Gedenkstein, in dem die Worte „nach Santiago de Compostella im fernen Spanien“ gemeißelt waren. Damit hätte hier wohl niemand gerechnet. Und doch – bald darauf hatten wir „Kloster Ettal“ erreicht, nahe den Orten Garmisch und Oberammergau gelegen. Offensichtlich waren wir ganz unbewußt dem Weg der Büßer auf unseren Motorrädern gefolgt.

Gegründet worden war das Kloster von Kaiser Ludwig dem Bayern am 28. April 1330, dem Tag des Heiligen Vitalis. Vermutlich sollte durch die Klostergründung nicht nur das Seelenheil des Kaisers sondern auch der Handelsweg von Augsburg nach Verona gesichert werden. Doch zunächst kam der Bau nicht so recht voran.

Ludwig hatte sich in zum Kaiser ausrufen lassen; Papst Johannes XXII aber erklärte die Krönung für nichtig. Im Streit und aus Geldmangel verließ er die Stadt. Auf seiner Rückreise kam er durchs Graswangtal und beschloss, dort ein Kloster „von neuer und unerhörlicher Art“ (lat. monasterium nove consuetudinis et acentus inaudite) zu gründen, das neben einem Mönchs- und einem Frauenkonvent auch ein Ritterkonvent mit 12 Rittern beherbergte.

Grundstein des Klosters war ein zuvor aus Pisa mitgebrachtes Marienbild, die so genannte Ettaler Madonna. Diese wurde schon bald zum Ziel von Wallfahrten.

Auf dem Rückweg zum Hotel legten wir noch einen kurzen Fotostopp nahe der Zugspitze ein und genossen das leckere Abendessen bei volkstümlicher Musik der heimischen Blaskapelle.


| Montag, 4.6.2007

Zum Rheinfall nach Schaffhausen

Rund um den Bodensee sollte es am zweiten Tag unserer „Drei-Länder-Tour“ gehen. Auf vornehmlich kleinen Straßen fuhren wir um das Gewässer, dass streng genommen aus dem „Obersee“, dem „Untersee“ und dem die beiden verbindenden „Seerhein“ besteht.

Die Fläche des Obersees beträgt 473 Quadratkilometer. Glaubt man der Online-Enzyklopädie Wikipedia, so „verfügt der Bodensee in seiner Südost-Nordwest-Ausdehnung über eine Aufwölbung der Oberfläche von 80 Metern“. Dies sei der Grund dafür, dass man auch bei bester Fernsicht vom Ostufer das Westufer nicht sehen könne.

Nach einem leckeren Mittagessen erreichten wir den Rheinfall bei Schaffhausen, der uns - wieder einmal - in seinen Bann zog. Bei mittlerer Wasserführung stürzen hier 373 Kubikmeter Wasser pro Sekunde tosend die Felsen hinunter. Der deutsche Lyriker Eduard Mörike schrieb dereinst: „Halte dein Herz, o Wanderer, fest in gewaltigen Händen! Mir entstürzte vor Lust zitternd das meinige fast. Rastlos donnernde Massen auf donnernde Massen geworfen, Ohr und Auge, wohin retten sie sich im Tumult?“

Nach so viel Poesie verlief die Fahrt zurück zum Hotel heiter und beschwingt. Angesichts des herrlichen Wetters gönnten wir uns unterwegs noch ein leckeres Eis, bevor wir uns im „Wälderhof“ erneut von den Geschwistern Wild verwöhnen ließen.


| Dienstag, 5.6.2007

Hinauf auf mehr als 2000 Meter

Heute sollte es ganz hoch hinaus gehen. Die „Silvretta Hochalpenstraße“ und der „Arlberg“ waren zwei der Pässe, die wir am dritten Tag unserer Reise unter die Räder nehmen wollten.

Übers 1486 Meter hohe „Faschinajoch“ fuhren wir ins „Paznauntal“ und dann hinüber ins „Montafon“, dazwischen lagen – bis zum 2032 Meter hoch gelegenen Pass an der „Bieler Höhe“, 15 Kilometer Wegstrecke, zahlreiche Kurven und 32 herrliche Serpentinen. Ob die dafür zu zahlende Maut gerechtfertigt ist muss jeder für sich entscheiden - uns zumindest hat es gefallen,

Auch der „nur“ 1793 Meter hohe „Arlberg“ ist fahrerisch durchaus eine Herausforderung, zumal man höllisch aufpassen muss, nicht versehentlich von der schlecht ausgeschilderten alten Landstraße auf die neue - vignettenpflichtige - Bundesstraße zu gelangen.

Und weil wir nun schon einmal in Tirol waren, unternahmen wir auch noch einen Abstecher zur „Piller Höhe“, die über herrlich kleine Straßen erreichbar ist und wunderbare Ausblicke bietet.


| Mittwoch, 6.6.2007

Hinauf auf mehr als 2000 Meter

So langsam ging die „Drei-Länder-Tour“ zu Ende. Die letzte Tour sollte uns ins „Appenzellerland“ führen - eine hügelige, von Weideland und verstreuten Dörfern geprägte Landschaft zwischen dem Fluss Sitter im Norden und den „Appenzeller Alpen“ mit dem „Säntis“ „Churfirsten“ und Speer“ als die höchsten Erhebungen im Süden.

Im Mittelalter gehörte das gesamte Appenzellerland zur Fürstabtei St. Gallen bis sich die Bewohner des heutigen in einem  Freiheitskampf im frühen 15. Jahrhundert selbständig machten. Typisch für das Appenzellerland sind die bunt bemalten Holzhäuser mit geschweiften Giebeln, die früher wohlhabenden Bürgern gehörten.

Hier ließ es sich noch einmal auf kleinen, kurvenreichen Straßen ganz wunderbar Motorrad fahren, bevor wir am Donnerstag - leider viel zu früh - schon wieder die Heimreise antreten mussten.

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