Am Anfang stand das Interesse für die Tier-, insbesondere für die Vogelwelt. Oft zog ich mit dem Fernglas in die weiten Wiesen des Niederoderbruchs; hier fruchtete auch der Gedanke, irgendwann eine Bilddokumentation entstehen zu lassen - wie und in welchem Umfang war zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch nicht klar, immerhin waren die Vorstellungen davon in den 1980er Jahren (also in der DDR) völlig andere als nach der Wende, man ging ja von gänzlich anderen technischen Voraussetzungen aus, an digitales Videofilmen war bei weitem nicht zu denken, eher an eine Schmalfilmkamera. Die beste Alternative war daher eine Fotoausrüstung, die man sich spätestens nach der Jugendweihe finanziell leisten konnte.
Nun hieß es, theoretisches Grundwissen zu erwerben bei gleichzeitigem praktischem Üben. Viele Jahre zogen ins Land bis ich einen „Grundschliff” hatte, immerhin brachten die ersten Jahre nach der Wende eine komplette Neuorientierung, die einige Zeit in Anspruch nahm, und so geriet auch die Fotografie teilweise etwas in den Hintergrund, was sich dann aber ab 1995 wieder änderte.
Die Jahreswende 1995/96 war die Geburtsstunde der gemeinsamen Naturwanderungen und -beobachtungen mit Wolfgang Thiede. Während ich mich bis dahin hauptsächlich auf die offene Landschaft sowie die Verlandungsbereiche der Gewässer konzentrierte, rückte von da an der Wald zunehmend in den Mittelpunkt. Praktisch alle unsere Ausflüge unternahmen wir dorthin. Alles begann mit Fischotterbeobachtungen am Lieper Krugsee, die wir mehrere Jahre durchführten und auch entsprechend dokumentierten. Der Aktionsraum wurde immer größer und gleichzeitig achteten wir von Anfang an darauf, dass ein Teil auch immer auf Foto und Videofilm festgehalten wurde, wobei ich für ersteres zuständig war (da ich zu diesem Zeitpunkt noch keine eigene Videokamera hatte), während Wolfgang Thiede zunächst die Videodokumentation übernahm. Daraus entstand die mehrteilige Videofilmreihe „Natur & Heimat”, von der kurze Ausschnitte auf meiner Web-Site Naturfilme aus Liepe zu sehen sind.
In den ersten Jahren frequentierten wir die Lieper Wälder ver-
hältnismäßig stark, in dieser Zeit entstand der größte Teil der Bilder für den Vortrag „Fotojagd in freier Wildbahn”, wobei die ältesten Aufnahmen dazu bereits aus dem Jahre 1992 (Nagelfleck, Großer Schillerfalter, Aronstab) stammen.
Hier wird auch die Hirschbrunft an der so genannten Neuen Wiese dokumentiert, was inzwischen Geschichte, und aus diesem Grund besonders interessant ist. Die Große Lieper Posse war damls beliebter Rotwildeinstand, hier fand man unter anderem Kiefern-Moorbirken-Gesellschaften auf Torfmoosflächen (durchsetzt mit Schilf- und Freiwasserbereichen), wo auch Sonnentau und Moosbeere wuchsen. Inzwischen sind an vielen Stellen umfangreiche Staumaßnahmen durchgeführt worden, so dass auch die Posse wieder vollständig mit Wasser gefüllt und daher nicht mehr betretbar ist. Das führte zwar zur Veränderung der Situation zur Brunftzeit und zu eingeschränkten Beobachtungsmöglichkeiten, ist aber für den Naturschutz unabdingbar, viele Sümpfe haben dadurch wieder ihren ursprünglichen Charakter zurückbekommen, zu viel sind die Wälder in der Vergangenheit künstlich entwässert worden, so dass das Anstauen und Errichten von Sohlschwellen wichtige Schritte für einen naturnahen Wald sind. Der Wasserhaushalt wird dadurch wesentlich verbessert, der Grundwasserspiegel steigt, was in Anbetracht der gegenwärtigen Klimaentwicklung von eminenter Bedeutung ist.
Als konservativer Mensch verwende ich auch gegenwärtig alte Spiegelreflexkameras sowie Objektive aus der DDR mit festen Brennweiten (siehe links); nur selten kommt ein Sigma Zoom-
Objektiv (28-105) zum Einsatz, es hat sich als ziemlich unpraktisch erwiesen und verweilt die meiste Zeit im Schrank.
Entscheidend für gute Bildergebnisse ist die Wahl des richtigen Filmmaterials sowie (und das wird meistens nicht beachtet [sofern man noch konventionell fotografiert]) das richtige Fotolabor, denn erst die Entwicklung entscheidet maßgeblich darüber, ob ein Film seine ganzen Vorzüge auch zeigen kann. Das Bild auf der linken Seite (Laubfrosch im Lieper Seggengrund) ist ein Beispiel für die Wirkungsweise des KODAK E100VS Professional bei verhältnis-
mäßig tief stehender Sonne. Seine neutrale Farbbalance mit leicht warmer Akzentuierung kommt hier voll zum Tragen, zudem hat er von allen Filmen die kräftigsten und leuchtendsten Farben, allerdings auch eine sehr steile Gradation, was das Fotografieren von besonders kontrastreichen Motiven nahezu ausschließt, hier kommt dagegen der Fuji Astia auf seine Kosten, der mit seinen weichen Übergängen und Farbnuancen in solchen Fällen die bessere Wahl ist. Mit diesen „Problemen” braucht man sich bei der Digitalfotografie nicht zu befassen, die Handhabung ist einfacher und die Ergebnisse sind homogener, aber es entfällt auch die Herausforderung und das Experimentieren vor Ort. Doch gerade das ist der Reiz der Fotografie, denn die Bilder entstehen dort, wo die Motive sind.
Liepe, im Dezember 2007 M. Just