physio-logic® brace story I
 
 
Bis zu meinem 57. Lebensjahr konnte ich ganz gut  mit meiner Skoliose leben, die sich nach einer Polioerkrankung mit  11 Jahren entwickelt hatte. Dann, nach mehreren Bandscheibenvorfällen im Kreuzbereich, begannen viele Jahre mit zum Teil  starken bis stärksten  Rückenschmerzen.  „Normale“  krankengymnastische Übungen verschlimmerten sie noch. Zudem konnte ich immer schlechter gehen. Bei einer  Untersuchung im Post-Polio-Zentrum der Medizinischen Hochschule Hannover vor etwa fünf Jahren wurde mir gesagt, dass ich aufgrund des festgestellten Post-Polio-Syndroms damit rechnen müsste,  irgendwann im Rollstuhl zu sitzen.  Es wurde mir Krankengymnastik auf neurophysiologischer Grundlage empfohlen. Nach langem Suchen fand ich eine Physiotherapeutin für diesen Typ Krankengymnastik, wobei ich das große Glück hatte, dass sie auch schmerztherapeutisch arbeitete. Etwa gleichzeitig  begann ich eine  Atemtherapie (nach Ilse Middendorf). Ich bekam auch  sporadisch Akupunktur-  und Magnetfeldtherapien, so dass ich im Laufe von etwa zwei Jahren die  Rückenschmerzen ganz gut  im Griff hatte. Aber leider nahmen  Schwächegefühle und Versagen  der Beinmuskulatur massiv  zu , die Gehfähigkeit dementsprechend  ab. Ich hatte Panik, wenn ich irgendwo 100 Meter zu Fuß gehen sollte, so dass ich mich schließlich schweren Herzens entschloss, einen Rollator zu benutzen, sobald ich das Haus verließ. Mein Aktionsradius hatte sich dadurch vergrößert, worüber ich sehr froh war, dafür aber stellte sich ein rapider Haltungsverfall ein. Ich konnte mich bei ganz normalen Alltagstätigkeiten in der Wohnung  kaum mehr aufrichten, hing gleichzeitig nach vorne und zur Seite, ein nach rechts verschobenes Fragezeichen. Ich war verzweifelt.
Im Frühjahr letzten Jahres stieß ich zufällig  im Internet auf die Katharina-Schroth-Klinik / Bad Sobernheim.
Auf meine Bitte um eine Beratung bzw. Untersuchung, von der es abhing, ob ich überhaupt zu einer Reha in der KSK  zugelassen werden würde, hatte ich im Juni  einen Termin bei Herrn Dr. Weiß. Nach der Auswertung der mitgebrachten Röntgenbilder und einigen  Vermessungen meinte er, die Skoliose  sei ja gar nicht so schlimm. Dann, ich werde das nie vergessen,  gab er mir mit zwei Handgriffen  - ein  gleichzeitiger Druck auf den Bauch nach hinten,  ein Druck auf  das Kreuz nach vorn – das Gefühl wieder aufrecht stehen zu können. Herr Dr. Weiß schlug mir vor zur Stabilisierung der Wirbelsäule zunächst ein Korsett zu tragen. Ich war erst furchtbar erschrocken, denn mein Orthopäde hatte mir auf meine verzweifelte Frage, ob man denn gar nichts machen könnte, ein Monster von Korsett gezeigt, das wie eine Ritterrüstung aus Stahlstäben aussah.

Mit einem ausführlichen Rezept versehen  ging ich in die Fa. Orthomed / Bad Sobernheim.  Im Wartebereich saßen  etliche Jugendliche und  Kinder, die eine Art Schneiderpuppe , einen  „Torso mit Löchern“ aus Plastik, zum Teil in bunten Farben, bei sich hatten.  Ich  beruhigte mich.  Anschließend wurde  mir von einem Angestellten der Firma ein vorläufiges, doch recht kleines Korsett angemessen. Das sollte ich ein paar Tage tragen um festzustellen, ob ich damit überhaupt zurecht kommen würde. Mein Korsett  bestand aus zwei Plastikteilen, einem, einem ausgehöhlten Herz  nicht unähnlichen „Schild“, anstatt der Einkerbung aber  mit einem breiten „Sporn“ nach oben versehen,  und einem knapp  10 Zentimeter, nach außen gewölbten  Halbgürtel; verbunden wurden beide Teile durch einen mobilen Klettverschluss.                 
Schon beim Anlegen dieses vorläufigen Korsetts  spürte ich sofort wieder  die Aufrichtung, ich konnte auch besser atmen  und war sehr angetan. Trotzdem war die darauf  folgende Zeit  nicht einfach: ich sollte das  inzwischen genau für mich angepasste  Korsett, wie mir der Angestellte von Orthomed sagte,  20 bis 22  Stunden täglich tragen. Nach  wenigen Stunden drückte der oben erwähnte Sporn  in der  Magengegend, denn ich konnte aufgrund der Muskelschwäche die Aufrichtung nicht länger halten.  Mit Ruhepausen gelang es mir aber im Laufe von ein paar Wochen die tägliche Tragezeit bis auf  14 Stunden an  6-7 Tagen die Woche  auszudehnen.  Dies zeigte mir, dass die Muskulatur mit  / „trotz“ Korsett arbeitete und sich kräftigte,  was ich mir zuvor nicht hatte vorstellen können. Eine Riesenermutigung war die Reaktion meiner Umgebung. In meiner Straße wurde ich angesprochen, was ich denn gemacht hätte, ich könnte ja wieder gehen – ohne Rollator. Das reinste Wunder!  Eine andere Dame erkannte mich erst, als sie ein paar  Meter vor mir stand, weil ich mich ja ganz normal  bewegte, ohne Rollator und gar nicht mehr schief und krumm daher kam. Vor allem aber habe ich mit dem Korsett ein hervorragendes Schmerzmittel gefunden.  Bei leichter körperlicher Anstrengung  (z. B. Hausarbeit)  stellten sich vorher immer nach kurzer Zeit Schmerzen ein;  jetzt lege ich das Korsett an, und schlagartig sind die Schmerzen im Kreuz weg. Nach den ca. sieben Monaten, die ich das Korsett trage, kann ich auch `mal einen, ja sogar zwei Tage „ohne“  auskommen. Es ist kein Problem mehr für mich,  je nach Tagesform 100 bis 200 Meter zu gehen.  Krankengymnastische  Übungen  nach Katharina Schroth haben mich weiter stabilisiert.  Manchmal bin ich so vermessen  zu glauben,  dass es noch besser werden kann.  Aber auch  wenn keine weitere Besserung 
eintreten sollte, bin ich hoch zufrieden und glücklich über den  wieder erreichten Grad an Lebensqualität. Ein Wunder !?  Herr Dr. Weiß meinte bei einer Kontrolluntersuchung nur trocken: „Ach  was! Das ist reine 
Biomechanik!“ 
                                                                                                        
H. I., Kiel,  Pensionärin, 69 Jahre
Patient with scoliosis, chronic low back pain, not able to walk upright for long without support. On the right picture she wears a physio-locic® brace.
Patientin mit Skoliose, chronischem Kreuzschmerz, ohne Rollator kaum aufrecht gehfähig. Auf dem rechten Bild sieht man die Patientin im physio-locic® brace.
Samstag, 31. Januar 2009
Weniger Korsett geht nicht!