Kapital geben, Kapital nehmen
Kapital geben, Kapital nehmen
Jede Methode pervertiet sich irgendwann selbst. Wenn Erotik zum Hochleistungs-Kampfsport, wenn Musik zum taubmachenden Krach wird, wenn Geldgeber vor allem an einem interssiert sind: Geld abzuziehen. Exakt das ist die Methode der Private Equity Firmen. Den Münte-Heuschrecken, die jedoch mehr sind als nur Plagegeister. Sie sind ihrem eigentlichen Wesen nach Mörder. Auch Mörder nutzen oft ihre Opfer über lange Zeit brutal und schamlos aus. Sklaven werden solange ernährt, bis sie wertlos geworden sind. Ekelhaftes Schmarotzertum ist kein Gruselmärchen „aus alten Zeiten“. Es findet auch heute statt, Frauen und Männer, die es tun, kleiden sich nur imme öfter in vornehmes Zwirn und halten sich für die Elite. Dabei sind sie „nur“ Banker – die sich, den Zeitungen ist es täglich zu entnehmen – so oft und ihren Klienten schadend verzocken, dass sie eigentlich schamrot im Gesicht werden müssten. Hätten sie denn noch einen Rest von Würde, Anstand und Verantwortungefühl.
Nun scheint die Gilde der „Investoren“ auch die Druckindustrie entdeckt zu haben. Ob ein Hersteller wie MAN-Roland oder „ganz normale Druckereien“ – sie scheinen interessante Objekte zu sein oder zu werden. Ihre stets gleiche „Masche“: Eine Firma übernehmen, um an den „stillen Reserven“ zu verdienen. Und das Unternehmen so lange zu melken, bis der letzte Euro Gewinn abgesaugt ist. Und dann: „sozialisieren“ (so heisst die zynische Vokabel für Pleite machen heute). Der Staat trägt die Folgekosten – vor allem in Form der Alimentierung der dann Arbeitslosen.
Schon vor 30 Jahren, als die Druckindustrie auch den Kennzahlen nach zu kriseln begann, gab es die gleiche Situation wie heute: Banken finanzierten die Druckereien vor allem deshalb weiter, weil »Reserven«, »stille Vermögenswerte« vorhanden waren. Meistens Immobilien. Auch galt einst eine jede deutsche Druckmaschine selbst nach Jahren Laufzeit als (fast) zum Neupreis gebraucht verkaufbar. Insofern investierten nicht Anlagefonds, sondern eben die »normalen Geldgeber« in die Druckindustrie. Was aber selbst renommierteste Firmen, die so genannte »crème de la crème« nicht vor Konkurs oder Sturz in die Bedeutungslosigkeit bewahrte. Was ein Zeichen dafür ist, dass es andere Indizien dafür geben muss als die Bilanz, warum eine Druckerei mehr Zukunfts-Potential hat als die andere.
Es gibt keinen Zweifel, was dieses eigentliche, erfolgs-ursächliche Kapital ist: neumodisch-deutsch »Brainware«, eben »die Köpfe der Mitarbeiter«, ihr Wissen, Können, ihre Visionen, Begeisterung, Motivation, aber auch ihre Überzeugungskraft, Sympathie. Summa summarum: deren Clevernes. Exakt die aber kann nicht von Hedgefonts und Private Equity Firmen, nicht von Investoren und Banken gemanagt, schon gar nicht in Business-Plänen befohlen, erzwungen werden. Solche Investoren können – das Wort von der Heuschrecke ist zu mild, man müsste eigentlich Spinne sagen, denn eine Heuschrecke fliegt weiter, die Pflanzen können sich erholen, aber eine Spinne umgarnt, saugt aus und tötet dabei – die Substanz, »den Rahm abschöpfen«. Aber immer nur im bilanziell-formalen Sinne. Die Köpfe, geschweige denn die Herzen der Mitarbeiter, das »eigentlichen Kapital« erreichen sie nie.
Ja, es gibt erste Firmen in der Druckindustrie, die von nach Börsenstrukturen denkenden Leichenfledderern gekapert und künstlich am Leben erhalten worden sind. Allein, kein einziges dieser Unternehmen gilt auf dem Markt als Vorbild, keines weckt echte Begeisterung. Mir kommen sie vor wie lebende Geister – eher Automaten gleich denn den innovativen idealistischen Unternehmen, die zwar immer in der Gefahr sind zu straucheln, von denen aber Feuer, Begeisterung, Ideen ausgehen und die deshalb andere Menschen faszinieren.
Wenn Kapitalrendite zum einzigen Maßstab wird, ist alles verloren. Wenn alles Menschliche nicht mehr zählt, was ist Bemühen, Arbeiten, sich einsetzen dann noch wert? Geld ist eine Motivation, die vor allem eins erzeugt: Gier. Und Gier führt in die Blindheit. Banker und Investoren gehören mitunter zu den dümmsten Lebewesen, die die Evolution hervorgebracht hat. Auch die Natur kennt »Symbiosen«, wo eine »Schmarotzer-Pflanze« (so heißen die Dinger biologisch nun mal) oder -Tier vom jeweiligen Wirt lebt. Doch nur ganz selten sind diese »Sauger« so blöde und töten das, wovon sie leben. Ganz im Gegenteil: Geben und nehmen heisst das Prinzip. Wer Vorteile in Anspruch nimmt, muss auch welche bieten, sonst geht das Spiel nicht auf. Bei ausschließlich rendite-orientierten Investoren scheint mir diese asoziale (sprich hemmungslos rücksichtslose) Egozentrik der Regelfall zu sein. Auch wenn es davon Ausnahmen gibt, es sind derer zu wenig, um heutige Kapitalmarktstrukturen als geeignet anzusehen, unleugbar existente Probleme (auch und vor allem in der Druckindustrie) zu lösen.
Ein erhellender Artikel dazu im >>> Druckmarkt
Und vor allem: eine geradezu erscheckende Analyse dazu in >>> Spiegel-Online

2. Oktober 2007
Heuschrecken, Spinnen, lebende Leichen