Jugendverbandstag 2011 - es hat sich ausgeerbt!
Jugendverbandstag 2011 - es hat sich ausgeerbt!
Was für ein Abend, was für ein wichtiger Sieg der Vernunft, der Fairness und Solidarität war diese Abstimmung beim Jugendverbandstag 2011! Und wie peinlich war der Versuch des HFV-Jugendausschusses, die Abstimmung mit allen Mitteln zu verhindern!

Getränke waren frei und auch Würstchen mit Kartoffelsalat gab es „aufs Haus“. Vorne auf dem Podium der HFV-Jugendausschuß, eine Etage tiefer saßen „wichtige“ HFV-Leute wie Stephan Kerber, Uwe Jahn & Co. Zunächst reichlich Grußworte, Vorstellung von Sponsoren, etc. Ich kam wegen unseres Trainings um 30 Minuten zu spät...und war immer noch viel zu früh, denn die langatmige Begrüßung lief noch immer. Viele bekannte Gesichter...klar! Michael „Raffzahn“ Schippmann vom TSV Uetersen sahnte bei der Verlosung eines HFV-Sponsors gleich einen rot-weißen Trikotsatz für seine E-Jugend ab.
Interessant wurde es erst bei den Anträgen. Zunächst der Entscheid für „9 gegen 9“ in der D-Jugend und einige weitere „kleinere“, gute Anträge, auf die wir hier aber nicht näher eingehen wollen, es würde den Rahmen sprengen. Alle wurden mit großer Mehrheit angenommen.
Dann endlich der Höhepunkt auf den alle gewartet hatten: Der Antrag des 1.FC Quickborn und des HSV Barmbek-Uhlenhorst zur Rücknahme der verhassten „Reform des Leistungsbereichs“ von 2007. So stand es in der Tagesordnung. Doch Pustekuchen...und wir trauten unseren Ohren nicht: Christian Pothe, der Vorsitzende des Jugendverbandsauschusses, verkündete, dass der HFV heute auch noch einen Antrag zu diesem Thema gestellt hätte. Er beinhalte, dass man in den nächsten Monaten die Entwicklungen der letzten 3 Jahre in Ruhe aufarbeiten wolle und - falls nötig - Änderungen vornehmen werde. Und da dieser Antrag sich inhaltlich mit dem von Quickborn und BU überschneide, sollte man nur über die Anträge diskutieren, aber (kein Scherz!!!) heute nicht darüber abstimmen!
Den 105 Vereinsvertretern fiel die Bockwurst aus dem Gesicht. Wollte der Mann uns verarschen? Seit 3 Jahren warten wir auf diesen Tag. Auf die Gelegenheit, endlich den unfassbaren Schwachsinn abzuschaffen, den der Verband uns 2007 eingebrockt hatte (und der leider von den Vereinen aus Unwissenheit abgesegnet wurde).
Gelächter, Zwischenrufe, Unmutsäußerungen brachten Pothe nicht zum Schweigen. Er erklärte, es könnte bei Jahrgangsmannschaften Probleme beim Übergang der Hamburger Verbandsligameister in die Regionalliga geben. Verschiedene Zwischenrufer merkten an, dass das ja wohl nur 4 der rund 180 Vereine in Hamburg überhaupt interessiere.
Und Pothe gab sich keine Mühe, zu verbergen, worum es dem HFV wirklich geht: es gäbe doch sonst keine Konkurrenz für St.Pauli und den HSV, wie stünde Hamburg (er meint seinen HFV!) denn da, wenn unsere Landesmannschaften nicht mithalten können, usw...usw...! Alles, was der HFV-Führung auf Hamburgs Sportplätzen seit Jahren in Trainergesprächen eher stammtischmäßig unterstellt wird, wurde vom Vorsitzenden des Jugendausschusses heute unverblümt bestätigt: Es geht dem HFV nur um die ganz Großen, es geht nur um die HFV-Auswahlmannschaften, die kleinen Vereine sollen nicht davon träumen, „irgendwann mal mit einer ihrer Mannschaften Hamburger Meister werden“ zu können. Das waren seine Worte. Und sie klangen genau so überheblich und arrogant wie sie sich hier lesen.
Unglaublich. Einfach unglaublich. Ich habe Herrn Pothe heute das erste Mal kennengelernt und reden gehört. Und ich bin noch immer geschockt über diesen Auftritt und die völlig weltfremden und basisfernen Aussagen des obersten Vertreters des Hamburger Jugendfußballs.
Dann liess man endlich Jan Ketelsen vom FC Quickborn das neue Konzept, bzw. den Antrag zur Umstrukturierung des Hamburger Jugendfußballs vorstellen. Jan war sichtlich nervös, verhapselte sich einige Male, aber am Ende kam er immer besser in Form, zeigte sich kämpferisch und bekam mehrfach kräftigen Zwischenapplaus.
Schließlich die Diskussion des Antrags. Pothe meldete sich nochmals zu Wort, seine Aussagen wurde aber vom Publikum nur noch mit Kopfschütteln bedacht. Heiko Arlt und Uwe Jahn - die ich beide sehr schätze - versuchten wortgewandt, für den HFV zu retten, was zu retten ist, redeten aber ausschweifend ziemlich weit am Thema vorbei. Die Basis wurde unruhig: „Abstimmen!“ und „Redezeit beschränken!“ kamen die Zwischenrufe. Einige Sitznachbarn argwöhnten, es sei Taktik, die Versammlung zu verzögern, denn mancher Besucher war schon gegangen. Auch Thomas Ohls von BU, nochmals Jan Ketelsen und andere Vereinsvertreter blieben hartnäckig: Nein, es müsse jetzt abgestimmt werden. Und zwar genau darüber, was im Antrag steht.
Dem Verband blieb keine Wahl...und doch versuchte man es weiter mit allen Tricks: der junge HFV-Mann im Anzug (dessen Namen ich nicht kenne) verkündete, es würde zunächst mal isoliert über den letzten Punkt im Quickborn/BU-Antrag abgestimmt: „Es soll eine Arbeitsgruppe gebildet werden“. Das war aber auch, was der HFV beantragt hatte! Und es bedeutet ohne die Punkte 1 - 4 des Antrags erstmal rein gar nichts! Wilder Widerspruch aus den Stuhlreihen. Jan Ketelsen blieb am Drücker: man habe sich mit der Reihenfolge der Antragspunkte schon was gedacht. Und es müsse auch exakt in dieser Reihenfolge abgestimmt werden. Genau!
Und dann ging es Schlag auf Schlag:
Antrag – 1.1
Rückkehr zum Jahrgangsfußball bis (einschließlich) zur B-Jugend
Antrag – 1.2
Abschaffung des Vererbungsrechtes im Bereich des HFV - also „eigener“ Auf- und Abstieg der jeweiligen Jahrgangsmannschaften
Antrag – 1.3
Regulierung der sogenannten „Doppelaufstiege“ im Bereich des HFV
Antrag – 1.4
Ermöglichung von Spielgemeinschaften auch im HFV-Leistungsbereich
Antrag – 1.5
Schaffung von Transparenz, Klarheit und (höchstmöglicher) Homogenität, sofortige Gründung einer handlungsfähigen Arbeitsgemeinschaft
Alles ging mit überwältigender Mehrheit durch! Es war so deutlich, dass schließlich gar nicht mehr gezählt wurde. Ca. 90% aller Stimmen fielen auf die Anträge. Bei rund 5% Gegenstimmen und 5% Enthaltungen.
Auf dem Podium versteinerte Mienen, eisiges Schweigen. Wer heute miterlebt hat, wie die HFV-Spitze agierte und argumentierte, der weiß auch, wie 2007 diese Wahnsinnsreform durchgehen konnte. Ich gehörte bis heute zu denjenigen, die dachten, da hätte einfach jemand beim HFV mal eine gutgemeinte Idee gehabt und schlicht nicht zu Ende gedacht. Seit heute ist mir - und jedem der 105 anwesenden Vereine - klar: der HFV wußte, was er tut. Er wollte es genau so, wie es gekommen ist. Und was ich besonders schlimm finde: obwohl der Verband die desaströsen Auswirkungen in den letzten 3 Jahren und die große Unzufriedenheit seiner Vereine (90%!!!) kannte, versuchte er heute, eine Änderung mit allen Mitteln zu verhindern. Dass die Basis sich gegen die Widerstände der „Regierung“ durchsetzte war eine echte (kleine) Lehrstunde in Sachen Demokratie.
Aber wird der HFV nun wirklich alles so umsetzen, wie beschlossen? Das bleibt in der Tat abzuwarten. Nach dem heutigen Tag muß damit gerechnet werden, dass auch bei den kommenden Beratungen (Verhandlungen?) versucht wird, vieles zu verdrehen. Aber die Eckpunkte stehen: „Jahrgangsmannschaften“ und „Ende der Vererbung“ sind dabei die wichtigsten. Da kommt auch der HFV nicht mehr raus. Hoffentlich.
Nachsatz 1: Wir haben am heutigen Morgen bereits viele lobende Mails für diesen Artikel in unserem Postfach gefunden. Das ist zwar sehr nett, aber der Dank und Respekt aller Vereine gebührt einzig Jan Ketelsen und Thomas Ohls. Denn geredet haben in den letzten 3 Jahren viele, aber die beiden haben die „Protestbewegung“ organisiert, ein neues Konzept formuliert und das „Unrechtssystem“ mit ihrem Antrag schließlich zu Fall gebracht.
Nachsatz 2: Berichterstattung des HFV mit einigen Fotos.
90% für die Fairness
Donnerstag, 7. April 2011
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Ein Grund zum Feiern...auch wenn es für unsere Jungs zu spät kommt:
mit großer Mehrheit beschlossen die 105 anwesenden Vereine beim Jugendverbandstag die Rückkehr zu Jahrgangsmannschaften und das Ende der unseligen Vererbung von Verbands- und Landesligaplätzen!