GLS Bank als Partner
 
GLS-Bank unterstütz bei Privatisierung durch Nutzer
Freitag, 16. März 2007
Wohnen als Menschenrecht, nicht als Renditeabsicherung für Investoren
 
Derzeit planen 4 von 10 Kommunen in Deutschland die Reduzierung ihres Wohnbestandes. Für Kommunen, die weder einen Verkauf an anonyme Finanzinvestoren akzeptieren, noch dauerhaft wohnungswirtschaftlich tätig sein wollen, entwicklet die GLS Bank ein neues Modell.

Am 15.3. gab es in der Bank ein Fachgespräch mit 30 Teilnehmern von Genossenschaften, Ministerien, Wohnprojekten, KfW u.a. Das entwickelt sich recht dynamisch. In zwei oder drei Wochen werden wir über die nächsten Schritte berichten können. (Falk Zientz)


„Wohnen in Bürgerhand“

Über Generationen haben Unternehmen, Gewerkschaften, Kommunen und Genossenschaften soziales Kapital in Form von Wohnbeständen aufgebaut, mit dem Ziel, Menschen auch unter sozialen Gesichtspunkten mit Wohnraum zu versorgen.

In den letzten Jahren weckten diese Wohnbestände verstärkt Begehrlichkeiten: 
•	Öffentliche Eigentümer sehen im Verkauf die Möglichkeit, durch hohe Preise ihre Schulden abzubauen. 
•	Finanzinvestoren spekulieren darauf, durch langfristige Mietsteigerungen, Einzelverkäufe, insbesondere aber durch Weiterverkäufe oder Börsengänge hohe Renditen zu erzielen. 
Zunächst stellt sich dies als Win-Win-Situation dar – wären da nicht die Menschen, die in den veräußerten Wohnungen leben. Die Entwicklung ganzer Stadtviertel wird davon geprägt sein, ob der neue Eigentümer seinen Erfolg primär an einer möglichst hohen Rendite misst, oder ob weiterhin wohnungspolitische Ziele gelten.

Allerdings sieht die GLS Bank auch, dass die Wohnwirtschaft heute nicht mehr unbedingt zu den Kernaufgaben einer Gebietskörperschaft gehört. Die Übertragung auf ein darauf spezialisiertes Unternehmen kann sinnvoll sein.

Darum hat die GLS Bank in Freiburg Ende 2006 anlässlich eines Bürgerentscheides über den Verkauf des städtischen Wohnungsbestandes ein bürgerschaftliches Modell in die Debatte eingebracht: Mit dem erforderlichen Eigenkapital zum Kauf der „Freiburger Stadtbau GmbH“ beteiligen sich auch Mieter sowie Bürgerinnen und Bürger. Durch ihre direkte Betroffenheit werden diese als Investoren eine nachhaltige Stadt- und Standortentwicklung zum Ziel haben, der dann eine angemessene Rendite zur Folge hat. 

Die wesentlichen Merkmale des bürgerschaftlichen Genossenschaftsmodells sind:
•	professionelle Wohnraumbewirtschaftung, die dem Wohnen dient
•	Soziale und ökologische Zielsetzungen
•	Selbstverwaltungsprojekte der Mieter werden gefördert
•	Genossenschaftliche Beteiligung der Mieter an „ihren“ Wohnungen.

Ob in Freiburg die Parteien und Initiativen ein solches Modell umsetzen wollen ist offen. Derzeit planen jedoch vier von zehn Kommunen die Reduzierung ihres Wohnungsbestandes. Für Kommunen, die weder einen Verkauf an anonyme Finanzinvestoren akzeptieren noch dauerhaft wohnwirtschaftlich tätig sein wollen bietet dieses Modell eine neue Perspektive. Darum arbeitet die GLS jetzt an einem Angebot für interessierte Kommunen. Ziel ist, dass zusätzlich zur marktgetriebenen Wohnwirtschaft eine bürgerschaftliche Ergänzung entsteht.

Falk Zientz