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>>> Wir sind schon drin!|

>>> Texte


Die Initiative periscope hat mit dem Architektenduo Maria Flöckner und Hermann Schnöll über die Form- und Dehnbarkeit von Räumen nachgedacht. Ausgangspunkt ist die Idee von gelebten Räumen, die im kleinsten als gelebte Raumvorstellungen in uns aktiv sind und einer rein geometrischen Raumauffassung entgegenstehen.

Im periscope:project:space finden die Gespräche ihre Entsprechung und die Diskussionspunkte werden sichtbar. periscope präsentiert die spannende Positionierung.

"Wir sind schon drin!" geht auf ein Zitat von Franz Xaver Baier zurück. Nach ihm lässt sich kein Phänomen denken, dass nicht auch durch räumliche Aspekte bestimmt wird. periscope fragt, welche Vorstellungen wir eigentlich von Raum haben - gehen die Meinungen auseinander? Welche Vorgehensweisen und Konzeptionen von Raum sind denkbar?

Für die Schau entstanden zwei begehbare Räume, die Behauptung, Frage und Experiment zugleich darstellen: Transparentes Fließ mit Nylonfäden abgespannt, lässt eine labyrinthartige Raumkonstruktion erahnen. Dadurch bildet sich ein Gang sowie ein Raumkern. Der Gang macht die Wandfläche zum Präsentationsweg von Fragmenten, Ideen und Fundstücken zur Raumfrage. Der Raum im Zentrum zeigt eine Installation, einen verlassenen Ort, der durch Verbliebenes Einblicke in die Raumvorstellung der Bewohner zulässt.

Themen sind:

Außen und Innen, Statik und Bewegung, public and private. Inwieweit passieren Abgrenzung und Raumbildung durch Gegensätzlichkeiten? Der Betrachter ist eingeladen seine Wahrnehmung dahingehend zu überprüfen.

Wir sind schon drin, jeder ist ein Anderer. Trägt er deshalb seine eigenen Räume und Vorstellungen in sich? Zu sehen und zu begehen ist eine Installation, die den Besucher einlädt, den Raum zu bewandern und im Vorbeigehen selbst zu entscheiden.

Wir sind schon drin!

periscope meets Maria Flöckner und Hermann Schnöll

Eröffnung, 6. Mai 19 Uhr

Do - Fr, 18 - 22 Uhr, 6. - 27. Mai 2008

>>> Correalismus

Worin begründet sich für den Designer die Wirklichkeit? Wenn ein Gebäudekomplex nicht nur das ist, was er als geometrische Form darstellt, sondern das, was er ausstrahlt, so liegt die Realität in der Wechselwirkung natürlicher Kräfte, die der Designer zusätzlich in seinem künstlich technischen Produkt in eine neue Organisationsform gebracht hat. Diese Realität ist die wahre Wirklichkeit. Seine Objekte und ebenso jene der Natur sind Orte des Kräfteaustauschs.


Die Wirklichkeit besteht nicht in den Begrenzungen eines Körpers an sich, sondern in der Kraft zu harmonischem Zusammenwirken. Die Wirklichkeit liegt also nicht in einem Objekt, sei es nun natürlich entstanden oder vom Menschen geschaffen, sondern im Correalismus. Correalismus ist die eigentliche, das Leben vorantreibende Kraft. Correalismus ist die Kraft des inneren Zusammenhangs. Er ist der innere Zusammenhang. Correalismus ist jener Begriff, der mir am geeignetsten erscheint, die Verdichtung der Dynamik des inneren Zusammenhangs zu bezeichnen.


Das Studium der Struktur des inneren Zusammenhangs muß letztlich die Barrieren zwischen allen Wissenschaften zum Verschwinden bringen; dieses Einstürzen hat bereits vielerorts begonnen. Aber Correalismus muß erst als eigene Wissenschaft eingeführt werden. Wenn sich der Designer in zunehmendem Maße der Erkenntnisse des Correalismus bei der Gestaltung von Gebäuden bedient, wird sich für seine Methode der Begriff Biotechnique durchsetzen. Diesen Ausdruck habe ich geschaffen, um die Wissenschaft von der Behausung des Menschen zu bezeichnen.


Aus: Friedrich Kiesler, Correalism. BioTechnique. A New Approach to Design, Typoskript, Archiv Friedrich Kiesler, um 1938.

>>> Einführung: Wir sind schon drin!

Um sich dem Thema zu nähern kan man wie Sloterdijk, wen er sich der Gewalt nähert, eine Übung vorausschicken: “daß die Sache nicht von vornherein falsch objektiviert wird, scheint es mir ratsam, gleich zu Beginn die Distanzillusion platzen zu lassen, die uns selbst in eine befriedete Zone und die Gewalt vor die Grenze platziert. Was ich statt dessen vorschlage, ist eine Übung im sphärischen Denken – wobei Sphäre dem griechischen Wortsinn gemäß mit Kugel übersetzt werden soll. Gehen wir also unserer Thema im Stil einer Kugelmeditation an. Nachdenken über Gewalt könnte beginnen mit dem Andenken jender Hyper-Kugel, die hier ohne weitere Rechtfertigung als Sein bezeichnet werden soll.



Dasein hieße immer, in einer Sphäre sein oder von einer Sphäre enthalten werden. Meine These lautet nun, daß das, was wir meistens jene Nachdenken und mit Blick auf Einzelfälle als “Gewalt” bezeichnet, einer Natur oder Ausbreitungsform nach ein sphärisches Format hat. Wenn “es” sie “gibt”, dann im Modus des Überall-Seins, man könnte auch sagen: in elementarischer oder medialer Verteilung. Man kann der Sphäre, die einen umschließt, also nicht gegenüberstehen wie einem “Tafelbild”. Kurzum, wir befinden uns im Lebensraum schon immer drin. Das klingt banal. Aber es wehrt die Vorstellung ab, daß das Drin-sein wie ein Gegenstand in einer Schachtel vorkommt.


Vielmehr ist das Drin-sein eine fundamentale Verfassung unserer Existenz in dem Sinn, daß wir die Wirklichkeit immer durchwirken, sowie sie un simmer durchwirkt. Das ist Heideggers “schon-sein-in” plus Deleuze/Guattari`s “Taumel der Immanenz”.

Der Mensch ist seiner Verfassung nach selbst räumlich. Nur deshalb können wir uns durch den Raum bewegen., Zusammenänge verstehen und uns mittteilen. Nur deshalb können wir uns durch eine bestimmte Objektwelt einrichten und ausdehnen.


Mittlerweile hat auch die Chaostherorie erkannt, daß zwei Körper in einem Raum, auch wenn sie voneinander Getrennt sind miteinander in Verbindung stehen und “aktiv korreliert bleiben”, - und zwar “direct und unmittelbar”, ohne geheimnisvolle Kräfte und Felder.

Aus: Franz Xaver Baier, Der Raum, Verlag Buchhandlung Walther König, Köln 2000;

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