Bei der chronischen bzw. konstitutionellen Behandlung werden länger bestehende Beschwerden und Krankheiten behandelt, wie z.B. Asthma, Neurodermitis, mangelnde Lebensfreude, Ängste, Depressionen, Entwicklungsstörungen, Allergien, wiederkehrende Infekte, Rheuma, usw. Am Anfang dieser Behandlung steht die homöopathische Erstanamnese.
Der Begriff „Anamnese“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet Gedächtnis, Rückerinnerung.
Aufgrund der ganzheitlichen Auffassung von Krankheit dauert dieses sorgfältige, nach den Regeln der klassischen Homöopathie durchgeführte, Erstgespräch bis zu zwei Stunden.
Es wird eine ausführliche Krankenbiographie des Patienten ermittelt, wobei sämtliche Faktoren, wie z.B. Kindheitserlebnisse, Partner- und Familienbeziehungen, erbliche Faktoren und Umwelteinflüsse, berücksichtigt werden.
Die akute Behandlung bezieht sich auf alle akut und heftig einsetzenden Krankheiten und Vorfällt, wie z.B. Husten, Ischalgie, Schock, Verletzungen, Entzündungen, usw. Auch bei der akuten Anamnese sind für den Homöopathen die Besonderheiten des jeweiligen Krankheitsfalles von grösster Bedeutung. Zum Beispiel gibt es oft einen individuellen Auslöser (kalter Wind, Überanstrengung, Ärger) für die Krankheit, und auch die Empfindung von Schmerzen kann von Patient zu Patient sehr unterschiedlich sein.
Anschliessend an die jeweilige Anamnese erfolgt die Repertorisation (Mittelwahl). Dabei vergleicht der Homöopath das durch die Anamnese entstandene, individuelle Krankheitsbild mit sämtlichen, in Frage kommenden Arzneimittelbildern seiner umfangreichen Arzneimittellehren. Dadurch kann er die Arznei herausfinden, die die grösstmögliche Ähnlichkeit zum vorliegenden Krankheitsbild hat, und somit für diesen individuellen Fall zum Heilmittel wird.
Woraus bestehen homöopathische Arzneien?
Die Ausgangsstoffe für homöopathische Arzneimittel stammen in der Regel aus Einzelsubstanzen des Pflanzen-, Tier- oder Mineralreiches. Sie werden nach besonderen Verfahren hergestellt, bei dem der rohe Ausgangsstoff mit Milchzucker - unter Energieaufwand - verrieben, später dann mit Wasser und Alkohol verdünnt und kräftig verschüttelt wird.
Dieses Verfahren nennt man Potenzieren, weil dabei die verborgenen Heilkräfte der Substanz aufgeschlossen und verfügbar werden - ein Phänomen, das Hahnemann erstmals entwickelt und beschrieben hat.
Wegen des extremen Verdünnungsgrades zweifeln Kritiker immer wieder die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel an, obwohl die Erfahrung das Gegenteil bewiesen hat. Die moderne Physik bietet inzwischen Erklärungsmodelle zum Verständnis dieses Phänomens an.
Wie wirken homöopathische Arzneien?
Die potenzierten Arzneimittel wirken als energetische Informationsimpulse, in denen sie Heilreize direkt auf das Zentrum des Organismus ausüben. Hahnemann nannte dieses Zentrum „Dynamisches Lebensprinzip“ oder „Lebenskraft“.
Letztere ist dafür zuständig bei Umwelteinflüssen, Stress und anderen krankmachenden Einflüssen ausgleichend zu reagieren und das harmonische Gleichgewicht wieder herzustellen.
Wird der Mensch krank, ist die Lebenskraft „geschwächt“, wie der Homöopath sagt. Bei vielen kleineren Unpässlichkeiten kommt sie von selbst wieder „auf die Beine“. Bei starken und langandauernden Reizen, wie z.B. ständigem Kummer, Schockerlebnissen und Umwelteinflüssen sowie erblichen Einflüssen kann sie jedoch aus der Bahn geworfen werden. Dies kann zu chronischen Beschwerden wie z.B. mangelnder Lebensfreude, Ängste und Depressionen, Entwicklungsstörungen, Allergien, wiederkehrenden Infekten, Autoimmunerkrankungen u.v.a. mehr führen.
Mit der richtigen homöopathischen Arznei kann die erkrankte Lebenskraft wieder hergestellt werden. Ihr wird praktisch der richtige Weg zur Selbsthilfe gezeigt, was zur Anregung der Selbstheilungskräfte und Stärkung der Immunabwehr führt.
Woran ist ein guter Homöopath zu erkennen?
Ein guter Homöopath wird sich Ihnen intensiv und mit ausreichend Zeit widmen. Er sollte in der Lage sein, einfühlsam den Patienten in seinen beruflichen, familiären und partnerschaftlichen Beziehungen zu verstehen. Bei der Arzneimittelsuche verwendet er umfangreiche Nachschlagewerke. Niemals verschreibt er Kombinationspräparate, also mehrere Arzneien gleichzeitig, sondern stets nur Einzelmittel, deren Wirkung er abzuwarten und feinfühlig zu interpretieren versteht.
Welche Chancen bietet die Homöopathie?
Wenn der Homöopath den Patienten ganzheitlich versteht und das passende Arzneimittel findet, können selbst schwerste Erkrankungen erfolgreich behandelt werden. Der wesentliche Unterschied zur Schulmedizin liegt darin, dass die Homöopathie nicht versucht Symptome zu beseitigen, sondern den Menschen als Ganzes wahrzunehmen und zu heilen.
Die Gesamtheit aller Krankheitszeichen und Symptome sind Ausdruck des geschwächten Organismus. Es sind keine unerwünschten Fehlfunktionen, die bekämpft werden müssen, sondern Hilferufe einer gestörten Lebenskraft, die dem Homöopathen den Weg zur Heilung weisen.